Das gemachte Nest

Vermisst und bereust mich
schreibst meinen Namen auf Papier
reißt mich in Stücke
in alle Winde verteilt.

Lässt die Endsilbe meines Namens
sich auflösen zu Flugasche
lässt mich werden
zu Rußwolken.

Das gemachte Nest,
Riecht auch nur nach bereits gelegten Eiern.
Du hast gesagt:
Du legst dich nicht fest
Und beginnst, meinen Namen runterzuleiern.

 

Das Netz des Lebens

Erster Schritt: Familienzeit. Alles fährt runter. Der Blick richtet sich nach innen, je dunkler es wird. Alles geschmückt. Überall Glanz an den Fassaden, der sich in den Augen spiegelt. Zweiter Schritt: Silvester. Überall sagen sie: Altes endet, Neues beginnt. Vorsätze. Darum blickt man zurück. Blick von innen heraus auf das eigene Leben und die Entscheidungen gerichtet. Letzter Schritt: Selbstmord. In dieser Zeit mehr denn je. Weil man sich versieht. An den entscheidenden Dingen vorbeiblickt. ...

Papierflieger: (1) – Realität

Es gibt ja viele Scetche, die zeigen, was Leute tun würden, wenn sie die Macht eines Yedi hätten. Einen fand ich besonders witzig, weil das einzige, was der Alltagsyedi tat, war, Dinge oder Menschen hochzuheben. Erst die Bettdecke, damit er aufstehen konnte, dann ein Hindernis in seinem Konsolenspiel, der Bösewicht in seinem Lieblingsfilm, der normalerweise seinen Lieblingscharakter kurz vorm Ende tötet. Am Ende geht er zur Arbeit und hebt das Schild mit seinem Namen ganz nach oben auf der Tabelle: ...

Der Selbstoptimierer

In der schwülen Halle wälzten sie tiefgründige Worte wie: „Alles fängt bei dir an und hört bei dir auf.“ der Ratgeber auf der Bühne wirkte schon nach wenigen Minuten verschwitzt und überanstrengt. „Du bist dein eigener Weg, du solltest aber auch dein Ziel sein.“ und man blätterte in Ringgehefteten Broschüren, die im Preis inbegriffen waren und folgte den Anweisungen: Notiere Stichwortartig, wie du dich gerne auf dieser Welt sehen möchtest! Darunter stand in geschnörkelter Schrift: ...

Briefe von Asraa

Erstes Bild   Vielleicht sollte er warten, bis sein Leben als Graphic Novel erschien. Das erste Bild dann nur in Brauntönen gehalten. Ocker. So wie das Cover von Cumbe von Marcelo D’Salete. Braun und Weiß. So ist das ganze Leben, nicht wahr? Als sie zum ersten Mal zu ihm aufgeblickt hatte und das Weiß ihrer Augen erst verriet, wie dunkel ihre Haut eigentlich war. Arabisch dunkel. So hatte sie es genannt. Ist mir egal, hatte er geantwortet. Deine Hautfarbe interessiert mich nicht. Warum ...

Untergrund

tauchst durch deine Zweifel unter Korallen aus Papier legst deine Hand auf jeden Fehler Atmen fällt hier unten schwer Je tiefer du versinkst Je tiefer du ertrinkst Je tiefer du verschwimmst Desto stärker wird dein Druck Ein Schwarm verstreuter Worte Ein Gedanke schwebt vorbei Zeichnest dir deine Unterwasserkarte Auf Grund gelaufen, geht nie die Zeit vorbei Auf Grund gelaufen, geht keine Zeit Zu keiner Zeit Vorbei. Je tiefer du versinkst Je tiefer du dich bringst Je tiefer du entschwimmst Desto ...

Auf ein Wort

Komm vorbei

Auf ein Wort

Das wir uns teilen

Worauf genug

Platz ist für zwei

Das von oben betrachtet

Anders wirkt, wenn

Es vor unseren Füßen liegt

Ein Wort wie ein Weg

Vom Vorbei wo wir stehn

Zum Jetztfängtesan.

Komm auf ein Wort

Darauf ist es nicht

So eng wie man meinen mag

Steht man davor und blickt auf.

Komm vorbei

Ich steh drauf

Und warte.

Lesen, Schreiben, Denken, Weltverstehen

Lesen- und Schreibenlernen bedeutet ein aktives Verändern des Denkens und betrifft die Entwicklung der Person insgesamt. Kinder sind neugierig und sie sind Entdecker. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes Wissenschaftler. Sie schaffen sich ihr eigenes Wissen. Am Anfang vertrauen sie auf uns Erwachsene und wir bieten ihnen Lernumgebungen. So funktioniert das grundsätzlich. Als ich in einem Haus wohnte, worin es viele Treppen gab, war meine Tochter die erste in der ganzen Kindergartengruppe, die ...