FBM 2019 – persönliches Erlebnis – persönliche Eindrücke

Noch beim Frühstück war ich erschöpft. Ich hatte den Jüngsten auf dem Schoß, fütterte ihn mit einem Stückchen Brot und nippte ab und an am frisch gepressten Kaffee. Mein Freund saß gegenüber und fragte jetzt zum ersten Mal, wie es denn gestern auf der Buchmesse gewesen war. Schwierig darauf zu antworten. Ich zögerte, dachte darüber nach und dann erzählte er mir, dass er vor etlichen Jahren – damals noch Schüler – auch dort gewesen war. „Die Buchmesse“, sagte er. „Ich bin als ...

Die Brosche (5)

Anfang verpasst? Hier geht es zu Teil (1) Hier geht es zu Teil (2) Hier geht es zu Teil (3) Hier geht es zu Teil (4) Und hier nun das Ende der Geschichte:   Alessia wartete bereits auf ihn. Sie lehnte mit angewinkeltem Bein und dem Fuß an der Wand neben seiner Wohnungstür. „Ich hab Bier dabei“, sagte sie. Und dann taten sie beide so, als ob er sie nur deshalb überhaupt rein lassen. „Du siehst noch mieser aus als letztens.“, meinte sie. Darauf hatte er keine Antwort. Sie saßen ...

Die Brosche (4)

Jede Tat dieser Welt wirft ein Licht in die Dunkelheit des Lebens. Und jedes Licht, jeder noch so kleine Lichststreifen genügt, erhellt in ihr das Wesen und den Charakter des Täters. Es gibt Lichter, die unauslöschbar sind, Taten, die unvergessen machen. Uboldo hätte solche Gedanken nie denken können. Aber er fühlte sie. Und zwar jedes Mal, wenn er im Bus saß in Richtung Lombardei. In der Provinz Pavia lag das kleine Dörfchen Cosimo. Es war kaum groß genug für eine Eintragung in gängiges ...

Die Brosche (3)

Federice Uboldo war ein traumloser Schläfer. Er träumte nicht von seinem Vater, der ein Leben lang versucht hatte, aus ihm einen guten und anständigen Menschen zu machen und gleichzeitig immer enttäuschter und resignierter wurde, je mehr sein Sohn schulisch versagte, um dann von den Straßen Genuas immer mehr verschluckt zu werden. Er träumte nicht von den Studios, in denen er ein- und ausging und den Gewichten, die er stemmte und den vielen Menschen, die bis zum heutigen Tag nicht seine Freunde ...

Die Brosche (2)

Den Anfang verpasst? Hier klicken 2 Uboldo hatte wenig Freunde. Aber die wenigen waren von der Art, auf die man zählen konnte. Alessia di Vicenco war sogar eine ehemalige Geliebte. Eine von den wenigen Festen und die einzige, mit der er nicht nur verdammt guten Sex gehabt hatte, sondern auch heute noch ganz gut stand. Sie hatte ihn immer gemocht, obwohl er ihr genug Gründe gegeben hatte, ihn zu hassen. Und dafür war er ihr wirklich dankbar. So dankbar, dass er an diesem Abend mit einem wirklich ...

Die Brosche (1)

    Genua, 21. Juni, 2017; 13:40 Uhr   1 Diese alte Hafenstadt mit ihren verdammt alten Häusern, die sich zwischen den rattenengen Gassen aneinander zwängten, roch in ihren besten Ecken nach Vergangenheit. Aber Federice Uboldos Laden war von dem Gesatank nach Urin, Kohl, Zwiebeln, Asche und Staub umgeben. Eine ungemütliche Luft. Und deshalb rauchte Uboldo Selbstgedrehtes. Du hältst den Gestank deines Viertels sonst ja nicht aus. Mit dem Rücken an die kalten, schwarzen Steine ...

Charly Villons Brief

Der gute Charly ist auf Weltreise derzeit. Ab und an hat er mir in letzter Zeit eine Postkarte geschickt und meist waren kurze Gedichte und Anekdoten darauf, die er mich bat, ich solle sie doch auf meiner Homepage publizieren. Damals, als er losgezogen ist, hat er gelacht und gesagt, ich soll nur abwarten. Wenn seine Worte, meine virtuelle Bühne nicht begehrter machen würden, dann wisse er auch nicht. Es war ein Spaß. Natürlich ist er von seinen Sachen überhaupt nicht überzeugt. Er hält es ...

Der Ekel – Essay

Nietzsche schrieb in Jenseits von Gut und Böse: „Der Ekel vor dem Schmutze kann so groß sein, dass er uns hindert, uns zu reinigen“. Ja, diese Art von Ekel kann lähmend sein. Selbst das Abwaschen des Schmutzes verursacht uns Widerwille. Das ist perfekte Zwickmühle, nicht wahr? Einerseits ekeln wir uns vor uns selbst, weil dieser Schmutz sich ausgerechnet an uns festhält. Andererseits werden wir ihn nicht los, weil wir ihn berühren müssen, um ihn abzustreifen. Natürlich sprechen Nietzsche ...

Sturmzeit (10) – Ende –

  „Ich bin bereit!“, sagte Drafi ein paar Mal. Klatschnass gingen sie durch den Sturzregen in Richtung Marktplatz. Damit waren sie die einzigen. Alle anderen kamen ihnen entgegen. „Der Markt ist geschlossen. Ist keine Marktzeit. Ist Sturmzeit!“, rief ihnen jemand zu. Drafi brüllte ihn an. Es war ein wortloses Schreien, aus tiefster Seele, unter dem der Andere zusammenzuckte und hastig das Weite suchte. „Drafi!“, rief Quinn ihm zu. Aber er ignorierte sie weiterhin. „Was tust ...

Sturmzeit (9)

Zum ersten Teil geht es hier Durch die Luft schwammen düstere Töne. Ein eselköpfiger Mann tauchte plötzlich auf. Er schaute scheel zu Quinn und Drafi hinüber. Langsam tauchte die Nacht die Stadt in ihre Schwärze. Es blitzte kurz. Ein Wetterleuchten. Von der Sommerhitze stieg aus allen Gullideckeln Rauch auf. Der Eselkopf lachte ihnen stumm hinterher. Aus einer Gasse traten Feuergaukler aus dem Dunst. Direkt dahinter: Musiker mit Dudelsäcken und einer laut lachenden, grölenden Gefolgschaft. Über ...