Hotel Delphin (2)

Anfang verpasst? Zum ersten Teil:  hier klicken. Tarek sah erleichtert aus, als Tobi kam. „Weißt du, was hier abgeht?“, fragte Tarek. „Klar. Ich hab immerhin alles organisiert.“ Wenn es eine Sache gab, die Tarek nicht ausstehen konnte, dann war es das selbstgerechte Grinsen, das Tobi an den Tag legte, wann immer er sich überlegen fühlte. „Mira hat mir schon gesagt, dass sie dich mit allem hier ... sagen wir mal: überraschen will. Ist sie auch schon hier?“ „Eben nicht.“, ...

Hotel Delphin (1)

Um die Unsicherheit zu überspielen, stand Benji auf und ging zum Bücherregal. „Hast du eigentlich gehört, was die anderen vorhaben?“ „Wer?“, Lana sah nicht einmal von der Arbeit auf. „Geht um den Streit zwischen Tobi und Nour.“ Sie ging nicht darauf ein. Statt dessen kritzelte sie weiter auf dem Blatt herum, nahm das Lineal, strich etwas durch. Dann lehnte sie sich endlich von der Arbeit zurück und sah zu ihm hinüber. „Willst du mir was erzählen?“ „Lass mal.“, hörte ...

Vom Festhalten und Loslassen … und dem Hunger nach Realität (Essay)

Ich erinnere mich noch gut an meine Entscheidung, Facebook beizutreten. Ich erinnere mich, weil ich das Prinzip der sozialen Medien verstanden zu haben glaubte und für mich nicht als sinnvoll erachtete. Es war nämlich so: Ich dachte, auf Facebook agiert man grundsätzlich als großer Brüller. Man setzt sich hin und wirft in eine sogenannte Timeline hinaus, was man gerade eben an Meinung hatte. Jetzt bin ich zwar ein Mensch, der grundsätzlich Meinungen hat, aber das bedeutet ja noch lange nicht, ...

FBM 2019 – persönliches Erlebnis – persönliche Eindrücke

Noch beim Frühstück war ich erschöpft. Ich hatte den Jüngsten auf dem Schoß, fütterte ihn mit einem Stückchen Brot und nippte ab und an am frisch gepressten Kaffee. Mein Freund saß gegenüber und fragte jetzt zum ersten Mal, wie es denn gestern auf der Buchmesse gewesen war. Schwierig darauf zu antworten. Ich zögerte, dachte darüber nach und dann erzählte er mir, dass er vor etlichen Jahren – damals noch Schüler – auch dort gewesen war. „Die Buchmesse“, sagte er. „Ich bin als ...

Die Brosche (5)

Anfang verpasst? Hier geht es zu Teil (1) Hier geht es zu Teil (2) Hier geht es zu Teil (3) Hier geht es zu Teil (4) Und hier nun das Ende der Geschichte:   Alessia wartete bereits auf ihn. Sie lehnte mit angewinkeltem Bein und dem Fuß an der Wand neben seiner Wohnungstür. „Ich hab Bier dabei“, sagte sie. Und dann taten sie beide so, als ob er sie nur deshalb überhaupt rein lassen. „Du siehst noch mieser aus als letztens.“, meinte sie. Darauf hatte er keine Antwort. Sie saßen ...

Die Brosche (4)

Jede Tat dieser Welt wirft ein Licht in die Dunkelheit des Lebens. Und jedes Licht, jeder noch so kleine Lichststreifen genügt, erhellt in ihr das Wesen und den Charakter des Täters. Es gibt Lichter, die unauslöschbar sind, Taten, die unvergessen machen. Uboldo hätte solche Gedanken nie denken können. Aber er fühlte sie. Und zwar jedes Mal, wenn er im Bus saß in Richtung Lombardei. In der Provinz Pavia lag das kleine Dörfchen Cosimo. Es war kaum groß genug für eine Eintragung in gängiges ...

Die Brosche (3)

Federice Uboldo war ein traumloser Schläfer. Er träumte nicht von seinem Vater, der ein Leben lang versucht hatte, aus ihm einen guten und anständigen Menschen zu machen und gleichzeitig immer enttäuschter und resignierter wurde, je mehr sein Sohn schulisch versagte, um dann von den Straßen Genuas immer mehr verschluckt zu werden. Er träumte nicht von den Studios, in denen er ein- und ausging und den Gewichten, die er stemmte und den vielen Menschen, die bis zum heutigen Tag nicht seine Freunde ...

Die Brosche (2)

Den Anfang verpasst? Hier klicken 2 Uboldo hatte wenig Freunde. Aber die wenigen waren von der Art, auf die man zählen konnte. Alessia di Vicenco war sogar eine ehemalige Geliebte. Eine von den wenigen Festen und die einzige, mit der er nicht nur verdammt guten Sex gehabt hatte, sondern auch heute noch ganz gut stand. Sie hatte ihn immer gemocht, obwohl er ihr genug Gründe gegeben hatte, ihn zu hassen. Und dafür war er ihr wirklich dankbar. So dankbar, dass er an diesem Abend mit einem wirklich ...

Die Brosche (1)

    Genua, 21. Juni, 2017; 13:40 Uhr   1 Diese alte Hafenstadt mit ihren verdammt alten Häusern, die sich zwischen den rattenengen Gassen aneinander zwängten, roch in ihren besten Ecken nach Vergangenheit. Aber Federice Uboldos Laden war von dem Gesatank nach Urin, Kohl, Zwiebeln, Asche und Staub umgeben. Eine ungemütliche Luft. Und deshalb rauchte Uboldo Selbstgedrehtes. Du hältst den Gestank deines Viertels sonst ja nicht aus. Mit dem Rücken an die kalten, schwarzen Steine ...