Vorhang auf! – update 23. Mai

Zugegeben, die erste Soiree im ODEON war inoffiziell. Es hingen keine Plakate in der Stadt, die Schaukästen am Eingang waren erst am eigentlichen Premierentag geöffnet, gereinigt und neu behängt worden. Wir dachten, dass wir unter uns sein wollten, wenn zum ersten Mal seit Jahren wieder im Staub der letzten hundert Jahre etwas auf der Bühne mit Theatermagie zum Leben erweckt werden würde. ... ...

Kinderfänger (6)

Showdown! Anfang verpasst? Hier geht es zu Teil (1) Hier geht es zu Teil (2) Hier geht es zu Teil (3) Hier geht es zu Teil (4) Hier geht es zu Teil (5) Lev hatte oft gehört, dass man sagte, in den Augen könne man die Seele eines Menschen sehen. Oder man könnte in den Augen Gedanken lesen. Er hatte es mal versucht in den Augen eines Mädchens. Sie hatten in seinem Zimmer nebeneinander auf dem Bett gesessen. Und er hatte ihr ganz tief und vor allem intensiv in die Augen geschaut. Eine unglaublich ...

Kinderfänger (5)

Es wird Zeit, dass die Geschichte um Lev und den Kinderfänger an Fahrt aufnimmt und wir uns dem Höhepunkt nähern. Zeit für den Showdown! Den Anfang verpasst? Kein Problem: Hier geht es zum ersten Teil. Hier geht es zum zweiten Teil. Hier geht es zum dritten Teil. Hier geht es zum vierten Teil.   Die Fremde machte keine Anstalten, sich zu verbergen. Sie gab sich keine Mühe, die Tür leise zuzuschlagen; keine Mühe, die Schritte zu dämpfen oder den Weg zur Eingangstür des Verlagsgebäudes ...

Kinderfänger (4)

Eine Horrorgeschichte baut sich meiner Meinung nach langsam auf (Zum ersten Teil geht es hier). Aber es muss sich ein Konflikt aufbauen, der weitere Hintergrundinformationen bringt. (Zum zweiten Teil geht es hier) Die genannten Konflikte müssen sich verschärfen, der Protagonist muss in die Enge getrieben werden und vor eine Entscheidung gestellt werden (Zum dritten Teil geht es hier). Und damit wären wir auch schon beim vierten Teil. Ist die Entscheidung einmal getroffen, wird es so schnell keinen ...

Kinderfänger (3)

  Den Anfang verpasst? Hier geht es zu Teil (1) Hier geht es zu Teil (2)   „Steig jetzt aus, Lev.“, sagte Onkel Vic so gutmütig er konnte. Lev konnte ihm noch nicht einmal böse sein. Er meinte es ja gut. Mehr als nur der Dorfpolizist war Vic ja auch wirklich der Bruder seiner Mutter. Und als solcher fühlte er sich ganz besonders für Lev verantwortlich und um sein Seelenheil besorgt. Hätte er damals auf Tom und Lev gehört, läge Clementine vielleicht heute noch in ihrer Wiege. Es ...

Kinderfänger (2)

Dies ist der zweite Teil der Kinderfänger-Shortstory. Auf Instagram wurde gewählt, ich soll wieder eine Horrorstory schreiben. Und was eignet sich besser, als die vielen verschwindenden Kinder in einer kleinen Gegend, in der jeder jeden kennt. Außer die Frau mit dem Sportwagen. Zum ersten Teil geht es hier.   „Clementine, wie kann man sein Kind Clementine nennen?“ „Es hat halt jeder einen anderen Geschmack, Schatz.“, Levs Vater kratzte sich unter der Kravatte. „Muss ich das ...

Kinderfänger (1)

Nach der Instagram-Wahl ist die Entscheidung wohl auf "Horrorshortstory" gefallen. Dann wollen wir mal langsam Anlauf holen und das Setting vorbereiten.   Bei jeder Gelegenheit erzählten Levs Eltern, er würde nicht rauchen. Das war so einer dieser Stolz Momente, in denen sie sich so unerträglich sicher waren, dass ihr Kind wenigstens eine Sache richtig machte im Leben. Sie redeten immer von der großen Geschichte. Gemeint war, dass Lev damals mitbekommen hatte, wie sein Großvater bei ...

Friday for Future (essay)

Friday for Future Das Interview, das Anton Hofreiter am 15.3.19 mit dem DLF führte, war höchst spannend. Es war ein Musterstück misslungener Kommunikation; ein rhetorisches Prachtstück wie bei Samuel Beckett. Der Journalist stellte Fragen, Hofreiter verweigerte die Antwort. Seine Begründungen waren zunächst nicht konkret, weshalb er sich denn hier so verweigerte. Erst als ihm vorgeworfen wurde, er weiche aus, also ihm implizit vorgeworfen wurde, er verhalte sich wie doch viel zu politisch-weltfremd ...

Lichternte

  Über der Stadt hing ein Zementhimmel. Es regnete nicht. Aber wenn man genau hinsah, dann hingen dünne, lose Fäden von dem Himmel herab. Und an jedem kondensierte die Luft zu silbrig-grauen Tropfen. Wenn man darunter stand und hochblickte, dann musste man schon sehr genau hinsehen. Man musste so gute Augen haben wie nur wenige. Einer von diesen Wenigen war der Herr mit dem weißen Hut, der auf seinem Weg zur Arbeit bei dem kleinen Zigaretten- und Zeitschriftenhäuschen immer kurz verweilte. ...

Das gemachte Nest

Vermisst und bereust mich
schreibst meinen Namen auf Papier
reißt mich in Stücke
in alle Winde verteilt.

Lässt die Endsilbe meines Namens
sich auflösen zu Flugasche
lässt mich werden
zu Rußwolken.

Das gemachte Nest,
Riecht auch nur nach bereits gelegten Eiern.
Du hast gesagt:
Du legst dich nicht fest
Und beginnst, meinen Namen runterzuleiern.