Vorhang auf! – update 23. Mai

Zugegeben, die erste Soiree im ODEON war inoffiziell. Es hingen keine Plakate in der Stadt, die Schaukästen am Eingang waren erst am eigentlichen Premierentag geöffnet, gereinigt und neu behängt worden. Wir dachten, dass wir unter uns sein wollten, wenn zum ersten Mal seit Jahren wieder im Staub der letzten hundert Jahre etwas auf der Bühne mit Theatermagie zum Leben erweckt werden würde. ... ...

Sonntag

Lass dir mit mir

Den letzten Rest Sonntag

Auf der Zunge zergehn

Lass uns wie Wolkenschatten

Ganz gemächlich

Übers Leben drüber ziehn

Lass uns gemeinsam

Den Abendglanz genießen

Lass mich nicht allein

Die Sonnenblumen gießen.

In Schale

Du wirfst dich für heut Nacht in Schale In einen Panzer aus Titan Der spiegelt die Leuchtstoffröhren So strahlst du alle an Lass sie doch sehen auf dir Was auch immer sie in dir sehen woll’n Dein Panzer ist ein Spiegel, der wenn er springt: nichts als Unglück bringt. Du drehst dich beim Tanzen im Kreis In einem Rhythmus aus Licht Du drehst tausend Köpfe ganz leicht Dein Innerstes bewegt sich nicht Du wirst zum Zentrum der Welt Zumindest für dich selbst Du wirst zu dem Augenblick Der sich ...

Die Einschulung

Es war schon merkwürdig, wie sich die Gesprächsthemen bei Tisch verändert hatten. Da war mal eine Zeit, in der man einfach schweigend an einem Grill gestanden hatte, Schulter an Schulter, in die Glut geblickt hat und alles war gut. Man nannte so was: „Den Gott einen lieben Mann sein lassen“. Und während die Tischgespräche dann langsam gewechselt waren zu bedenklichen, politischen Zuständen, man sich über Präsidenten genauso intensiv unterhielt wie über die Schreibfähigkeiten deutscher ...

zu viel zu wenig

Will ich zu viel? Oder zu wenig? Im Leben hängen wie Wolken? Oder Grenzen ziehen wie ein König? Will ich so lange alles kaufen, was meinen Namen trägt, Bis mein Name im Markennamentsunami verschwindet? Oder will ich die ganze Welt sehen und Instagram fluten Mit Erinnerungen, an denen mein Erinnern erblindet? Will ich den perfekten Sound finden für ein perfektes Hintergrundrauschen? Will ich der Stille in stillen Augenblicken das Stillschweigen ablauschen? Will ich mit allen Sinnen in der Sinnlosigkeit ...

Vernetzung

Bisher war das_Odeon Theater mit Facebook, Tumblr und Twitter vernetzt. Wer auf dem neuesten Stand bleiben möchte, darf gern die sozialen Netzwerk-Zeuge nutzen. In der Seitenleiste dürfte man zumindest die Timelines von Facebook und Twitter sehen. Neuerdings bin ich aber auch auf etwas anderes gestoßen, was vielleicht recht amüsant und abwechslungsreich werden könnte. Die Rede ist von SWEEK. Eine Plattform, die zumindest der DTV-Verlag aktiv für Schreibwettbewerbe nutzt. Außerdem gibt es ...

Dirt in the Ground (4/4)

Anfang verpasst? Hier ist Teil 1 Hier ist Teil 2 Hier ist Teil 3 Hier ist Teil 4: Er schreit ja selbst vor Schmerzen. Ich lasse ihn auf mich einschlagen. Lasse zu, dass er mein Gesicht trifft. Lasse das Schwarz zu. Die Umnachtung. Das Bleierne. Das endlich leibhaftig gewordene Elend. Ich lasse ihn brüllend mein Blut mit seinem vermischen. Ich wage es aufzusehen. Wage es durch den roten Schleier einen Eindruck zu bekommen, wie er innehält, zurückkippt. Wie er zu Boden sinkt: er sieht aus wie ...

Dirt in the Ground (3/4)

Er hat kein einziges Buch in seinem Haus. Sagt man nicht, ein Haus ohne Buch sei ein Haus ohne Seele? Ja, ich weiß. Wenn man das Schlechte sehen will, dann sieht man es. Überall hier. Alles in dieser Wohnung, von der ich überzeugt bin, dass sie seinen Charakter widerspiegelt, widert mich an oder stößt mich wenigstens ab. Ich finde nichts, womit ich mich beschäftigen könnte. Keine Zeitschrift. Kein Fernseher. Diese Wohnung ist nichts als eine weiße Wand, eine Projektionsfläche. Und alles ...

Dirt in the Ground (2/4)

Die Autorin Patricia Hampl hat mal so was Ähnliches gesagt wie: „Eine Biografie ist ein Zeitstrahl, der durch Ereignisse unterbrochen wird.“ Ist das nicht spitze? Mich hat es beeindruckt. Weil das Leben einfach läuft, selbst wenn es keine Ereignisse gibt, die die Zeit unterbrechen und dem Leben für eine kurze Periode eine Bedeutung verleihen. Ich glaube daran, dass Dortmünders Leben keine Bedeutung hat, jetzt wo ich ihn verlasse und nach unten gehe. Im Spiegel überprüfe ich kurz, ob ...

Dirt in the ground (1/4)

Es fällt leicht, einen Menschen wie Gero Dortmünder zu hassen. Einer, der sich sein Glück nicht verdient hat. Er hatte es zu Geld gebracht, ohne je dafür wirklich gearbeitet zu haben. Solche Menschen gibt es zu viele, wenn man mich fragt. Er lebt in einem großzügig geschnittenen Haus. So eins, wie man es nur aus Filmen oder Katalogen kennt. Die perfekte Einrichtung hat er sich noch nicht einmal selbst hergeschleppt. Da ist kein Schrank selbst aufgebaut. Nicht mal das Modellschiff auf dem Vitrinenschrank ...