Vorhang auf! – update 23. Mai

Zugegeben, die erste Soiree im ODEON war inoffiziell. Es hingen keine Plakate in der Stadt, die Schaukästen am Eingang waren erst am eigentlichen Premierentag geöffnet, gereinigt und neu behängt worden. Wir dachten, dass wir unter uns sein wollten, wenn zum ersten Mal seit Jahren wieder im Staub der letzten hundert Jahre etwas auf der Bühne mit Theatermagie zum Leben erweckt werden würde. ... ...

Was wär ich ohne Kalender?

Was wär ich ohne Kalender? In welchem Tag würde ich leben? Wann hört der Tag auf, wann endet er, warum holt niemand den Müll heute ab? Ein Tag fühlt sich auf einmal an, als wären alle Konturen nur mit brüchiger, grober Kreide in ein dunkelgrünes Leben gezogen. Selbst die Straße ist kariert. Die Wegführung: hoffnungslose Graphen mit unlösbaren Funktionen. Man geht nicht mehr, man taumelt. Hinein in schäbige Absteigen, wo die Musik aus den Lautsprechern klingt, als säßen dickbäuchige ...

Anekdote

In den Wartezimmern der Kinderärzte hängen immer Bilder von Janosch. Und überraschenderweise gibt es immer Familien, die nur hier in Kontakt kommen mit der dement-anarchischen Fantasiewelt des schnauzbärtigen Tenneriffa-Künstlers. Auf einem seiner Kinderarztbilder lag der kleine Tiger am Fußrand des Bettes auf den hoch aufgetürmten Decken unter denen ein altbackenes Fieberthermometer aus dem Mund des Freundes hervor lugte. Die Unterschrift lautete: „Ich mach dich wieder gesund, kleiner ...

Papierflieger (5) – Erinnerung

Es ist furchtbar. In letzter Zeit werden ständig Gräber geschändet. Sie schmieren Farbe quer über den Grabstein, reißen Blumen aus der Graberde. Und es gibt keine Hinterbliebenen mehr, die für die Rechte des Toten eintreten könnten. Alles bleibt an uns hängen, die ihn ja gar nicht kannten. Die Rechnungen sind noch für Jahre bezahlt. Selbst wenn wir keine Moral hätten, daran soll es nicht scheitern. Wir machen täglich den Dreck weg, der auf dem kleinen Fleckchen Erde abgeworfen wird. Ich ...

Mobbing – deleted Scene

Nicht alle Kapitel schaffen es in die endgültige Version. Ein paar Szenen müssen der Schere zum Opfer fallen. Beim aktuellen Jugendroman müssen die folgenden raus. Definitiv. Zu viele Probleme für die Handlung. Zu viele neue Charaktere, die einfach nur auftauchen und nie wieder eine Rolle spielen. Aber der Gedanke dahinter gefällt mir und deshalb poste ich es jetzt hier, ohne dass ich es je überarbeiten werde. 17 Ich war noch in der Grundschule, als ich die erste Schlägerei mitangesehen ...