Die postheroische Zeit (Essay)

  Im Radio wurde diskutiert. Und nichts lieber ist den Moderatoren in ihrer Diskussion, als wenn es um den Zustand im Land geht. Denn Zustände sind immer an bestimmten Ereignissen ablesbar, Ereignisse, die sie Symptome nennen und eifrigst interpretieren und von allen Seiten her auflösen, wie man auch einen Jahrhunderte alten Wald von allen Seiten her auflösen kann, um ihm schließlich auf den wertvollen und ach so schmutzigen Braunkohlegrund zu kommen. Man diskutierte in diesen Tagen viel ...

Die Axt

Ein einziges Wort kann der Keil sein, welches die Gesellschaft spaltet.

Im Kopf eines Menschen, der dieses Wort als Ideologie dort aber inthronisiert hat, kann es auch die Axt sein, die aus goldener Gegenwart düstere Scheite schlägt, um der Welt ein großes Feuer zu bereiten.

Auf ein Wort

Komm vorbei

Auf ein Wort

Das wir uns teilen

Worauf genug

Platz ist für zwei

Das von oben betrachtet

Anders wirkt, wenn

Es vor unseren Füßen liegt

Ein Wort wie ein Weg

Vom Vorbei wo wir stehn

Zum Jetztfängtesan.

Komm auf ein Wort

Darauf ist es nicht

So eng wie man meinen mag

Steht man davor und blickt auf.

Komm vorbei

Ich steh drauf

Und warte.

Erste Sätze

Ich liebe erste Sätze von Romanen. Aber das kann heute keiner mehr. Gute erste Sätze. Und überhaupt: Moby Dick. Anna Karenina (!), Die Verwandlung, ..., ich bin wahrscheinlich der einzige Mensch auf der Welt, der erste Sätze auswendig kann. Dabei beginnen Stories mit ihnen. Sie ziehen dich wie einen Maelstrom in sie hinein. Wer will schon weiterlesen, wenn das erste Wort ein Name ist? Oder ein Dialog - ein Wort hinter einem Gänsefüßchen, ... So fangen Filme an. Nicht das Leben. Das Leben ...

Der Irrtum

Wir bilden uns ein, wir würden vor unseren Ängsten fliehen.

In Wahrheit gehen wir ihnen voraus ins Tal der Sicherheit und erlauben ihnen, es einzunehmen.

Wir bilden uns ein, wir würden uns unseren Ängsten stellen.

Tatsächlich stehen wir ihnen entgegen, um zu erkennen, dass es doch nicht mehr als Schwierigkeiten waren. Kleinwüchsige Hindernisse mit lächerlich groß geworfenen Schatten.

Lesen, Schreiben, Denken, Weltverstehen

Lesen- und Schreibenlernen bedeutet ein aktives Verändern des Denkens und betrifft die Entwicklung der Person insgesamt. Kinder sind neugierig und sie sind Entdecker. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes Wissenschaftler. Sie schaffen sich ihr eigenes Wissen. Am Anfang vertrauen sie auf uns Erwachsene und wir bieten ihnen Lernumgebungen. So funktioniert das grundsätzlich. Als ich in einem Haus wohnte, worin es viele Treppen gab, war meine Tochter die erste in der ganzen Kindergartengruppe, die ...

Wie unsere Kinder schreiben lernen – Vorwort

Seien wir ehrlich. Und das von Anfang an. Ich komme von zwei Seiten. Auf der einen Seite bin ich Lehrer, Deutschlehrer sogar, an einer weiterführenden Schule. So nennt man den Ort, wo es die Kinder in Deutschland nach der Grundschule hin verschlägt. Und auf der anderen Seite bin ich Vater von Kindern, die bald in die Grundschule kommen. Was ich bei meinen Schülern beobachte, ist beunruhigend. Allenthalben wird geklagt, das Bildungsniveau nähme ab, die Schüler hätten kein Grundlagenwissen ...

Argumente gegen rechte Politik (Essay)

Rechte Politik ist ausschließend. Keine Frage. Keine Diskussion. Die politische Rechte definiert sich geradezu dadurch, dass sie ausgrenzt. Nein, formulieren wir es anders: Die politische Rechte definiert sich dadurch, dass sie Definieren als ein Grenzenziehen versteht. Und Grenzen bedeuten immer ein Diesseits und ein Jenseits. Auf dem Diesseits befindet sich das Ideal der Grenzzieher. Im Jenseits sind die Andern, die, die nicht dazugehören zu dem, was man auf dieser Seite der Grenze als gut erachtet. Die ...

Begegnungen – ein Essay

Martin Buber schrieb „Die fundamentale Tatsache der menschlichen Existenz ist der Mensch mit dem Menschen. Was die Menschenwelt eigentümlich kennzeichnet, ist vor allem andern dies, dass sich hier zwischen Wesen und Wesen etwas begibt, dessengleichen nirgends in der Natur zu finden ist.“ Wir Menschen sind schon merkwürdige Wesen. Gefangene sind wir regelrecht. Jeder von uns sitzt eingepfercht in seinem körperlichen Gefängnis voller Sinne und wir blicken aus unserem Gefängnis hinaus in die ...