FBM 2019 – persönliches Erlebnis – persönliche Eindrücke

Noch beim Frühstück war ich erschöpft. Ich hatte den Jüngsten auf dem Schoß, fütterte ihn mit einem Stückchen Brot und nippte ab und an am frisch gepressten Kaffee. Mein Freund saß gegenüber und fragte jetzt zum ersten Mal, wie es denn gestern auf der Buchmesse gewesen war. Schwierig darauf zu antworten. Ich zögerte, dachte darüber nach und dann erzählte er mir, dass er vor etlichen Jahren – damals noch Schüler – auch dort gewesen war. „Die Buchmesse“, sagte er. „Ich bin als ...

Der Ekel – Essay

Nietzsche schrieb in Jenseits von Gut und Böse: „Der Ekel vor dem Schmutze kann so groß sein, dass er uns hindert, uns zu reinigen“. Ja, diese Art von Ekel kann lähmend sein. Selbst das Abwaschen des Schmutzes verursacht uns Widerwille. Das ist perfekte Zwickmühle, nicht wahr? Einerseits ekeln wir uns vor uns selbst, weil dieser Schmutz sich ausgerechnet an uns festhält. Andererseits werden wir ihn nicht los, weil wir ihn berühren müssen, um ihn abzustreifen. Natürlich sprechen Nietzsche ...

Musik aus dem Wasserhahn (Essay)

  Man hat als Lehrer immer wieder die Herausforderung, dass man selbst älter wird, während die Klientel immer jünger wird. Man muss sich also darauf einstellen, dass es einen Generationenkonflikt gibt, dass irgendwann der Augenblick kommt, in dem man den anderen nur noch schwer versteht. Ein Beispiel? In meinem ersten Jahr als Lehrer las ich mit einer Klasse eine Geschichte über einen Jungen, der sich im Wald verirrte. Das war an sich keine schwere Erzählung, kein ungewöhnliches Wortmaterial. ...

Was Platon über Instagram und Knight Rider sagen würde (Essay)

Ein altes Sprichwort kennt noch den Ausdruck „Bilderbuchleben“ oder „ein Leben wie im Bilderbuch“. Wenn ich mich an alte Bilderbücher zurück erinnere, dann sehe ich pausbäckige Mädchen mit wehenden Röckchen, lausbübige Kinder, staubige Landstraßen. Und die meiste Zeit Sonnenschein, idyllisches Dorfleben mit Tieren, deren Vornamen man meist kennt und gebrochene Rehbeine, die der Förster mit einem Verband zu heilen versteht. Bilderbücher erzählen immer von einem kindlichen Utopia. ...

Humanismus oder humanistische Religion – Essay

Erich Fromm schrieb, es gäbe keinen Menschen, der nicht ein religiöses Bedürfnis hätte, „ein Bedürfnis nach einem Rahmen der Orientierung und einem Objekt der Hingabe.“ (Psychoanalyse und Religion, S. 243, Z. 248). Allein diesen Satz zu schreiben, irritiert mich. Wieso weiß ich denn so etwas, wenn ich mich selbst doch als a-religiös bezeichne? Auf die Frage, welche Religion ich habe, antworte ich meistens: „Ich bin nicht gläubig, wäre es aber gern.“ Und im Laufe der Gespräche, ...

Friday for Future (essay)

Friday for Future Das Interview, das Anton Hofreiter am 15.3.19 mit dem DLF führte, war höchst spannend. Es war ein Musterstück misslungener Kommunikation; ein rhetorisches Prachtstück wie bei Samuel Beckett. Der Journalist stellte Fragen, Hofreiter verweigerte die Antwort. Seine Begründungen waren zunächst nicht konkret, weshalb er sich denn hier so verweigerte. Erst als ihm vorgeworfen wurde, er weiche aus, also ihm implizit vorgeworfen wurde, er verhalte sich wie doch viel zu politisch-weltfremd ...

Penetration (Essay)

Der vorliegende Text stellt mein vielleicht erstes Essay dar. Ich schrieb es mit ca. 16. Man verzeihe die vulgäre Sprache und die Kürze der Gedanken.   Manchmal fühlt man sich wie penetriert. Thomas sagt gern und oft dummficken dazu und meint, was niemand besser als Madonna-Freund Richie in Snatch klasse auf den Punkt gebracht hat: Hunde jagen Hasen, der Verlierer wird gefickt. So richtig gefickt? So richtig gefickt! Dummficken ist eine Stufe weiter. Du wirst gefickt und bemerkst es erst, ...

Ruhrgebiet 2019

Das Ruhrmuseum in Essen behauptet, die Menschen im Ruhrpott haben sich immer mit dem Prädikat der Männlichkeit selbstinterpretiert. Hier sei das Malochen wesentlicher Bestandteil der Selbstinszenierung, der Selbsterfüllung, vielleicht sogar des ganzen Selbstes. Fußball, Mantas, Reihenhausromantik, Straßenkinder, Trinkhallen, Industriecharme, Ruß statt Rouge. Und alles läge zerbrochen und im Wandel einbegriffen. Der Mann ist deutschlandweit nicht mehr das, was er einmal war. Männlich nicht ...

Erdrutsch

Ich bin schon wieder in einen Erdrutsch geraten. So nenne ich bestimmte Augenblicke in meinem Leben, in denen mir alles irgendwie abhanden kommt. Und mit „alles“ meine ich nichts Materielles. Ich meine mich. Es begann damit, dass ein Internetunternehmen bei mir zu Hause Kabel neu verlegen musste. Rückblickend empfinde ich das als ziemlich metaphorisch. Dumm war nur, dass die Kabel hinter den Schränken meiner Bibliothek zu verlaufen hatten. Und so räumte ich alle Schränke an einem Tag aus, ...