Fast sicher

Ich hör dich gern von Heublumen reden Und denk mir, dein Haar röche Wie der Abend damals Als wir zwischen allen Dörfern Einfach zwischen den Ähren uns küssten. deine Augen nur halb geschlossen Du nanntest es Wimpernblick Und ich stellte mir vor Wie all meine Gefühle Sich auf dem Weg in deine Augen Zwischen den Härchen verfingen Du nanntest mich taumelnd. Zumindest zwischen küssen und Luftholen, in dieser Flüstersekunde, In der man kaum Sprechen kann Und nur Wortfetzen findet, Die ...

Kinder

Wo du auch gehst Wie Schatten folgen dir deine Kinder Legen sich an Wände, Auf die selbe Art wie du Legen sich ins Zeug Mit der selben Kraft, Die du ihnen zeigst. Wo du auch treibst Wie Blumen öffnen sich deine Kinder Legen ihre Augen auf die Welt Wie Stempel, deren Eindrücke Du ihnen erlaubst Legen ihre Farben in die Jahreszeit Wie kleine Blütenstaubexplosionen Unter der Zeitlupe des Lebens Was du auch sagst Wie von selbst Hörst du dich aus ihren Gedanken heraus Siehst du ...

Der beste Winter

Der beste Winter, an den ich mich erinnern kann, war der, als ich sieben Jahre alt war. Das ganze Wochenende über war es trüb gewesen. Es hatte über Nacht geregnet. Und nichts, wirklich nichts hatte nach Winter ausgesehen. Bis zum nächsten Morgen. Auf der Straße lag eine zentimeterdicke Eisschicht. Die Luft schmeckte nach nichts als nach Kälte. Der Himmel sah aus wie zementiert und nur ein einzelner Vogel saß drüben auf dem Grundstück der Ullmanns auf dem gefrorenen Kopf eines Holzpfahls ...

Die Einschulung

Es war schon merkwürdig, wie sich die Gesprächsthemen bei Tisch verändert hatten. Da war mal eine Zeit, in der man einfach schweigend an einem Grill gestanden hatte, Schulter an Schulter, in die Glut geblickt hat und alles war gut. Man nannte so was: „Den Gott einen lieben Mann sein lassen“. Und während die Tischgespräche dann langsam gewechselt waren zu bedenklichen, politischen Zuständen, man sich über Präsidenten genauso intensiv unterhielt wie über die Schreibfähigkeiten deutscher ...

Stilles Glück mit meinem Sohn

Wir sitzen auf der alten Brücke
Werfen Steine in den Bach
Deine kleinen Beine schuckeln
Der Wald wird langsam wach

Der Morgenwind gesellt sich her
Bläht einen Blühtenschirmchenschwarm
Legt über uns den Himmelsatemflair
legst dein Köpfchen an meinen Arm

Lass uns blau den Himmel
Über uns hin ziehen
Lass uns der Welt ihr Sommerzimmer
Glücklich heut beziehen

Du und ich und diese eine Sekunde
Dieses eine Tiefgefällt
Deine Träume zeichnen bunte
Kritzelstriche um uns in die Welt