Das Gespräch, das nie zu Ende geführt wird

Kennst du dieses Gespräch, das nicht zu Ende geführt wird? Du redest dich um Kopf und Kragen und trotzdem ist da auf einmal dieser eine Augenblick, in dem der Eine auf einmal bei dir ist und dir die Frage stellt, die schon seit ein paar Jahren zwischen euch stand. Und er fragt und du antwortest und das Gespräch beginnt, das euch wichtig ist. Ihr rückt aneinander, verschworen, und du fragst zurück, um deine Antwort vorzubereiten. Da kommt die Welt dazwischen. Und drängt sich hinein in die ...

Junge Vulkane

Sobald die letzte Phase der Klimaerwärmung anbricht Ist das der Augenblick, der uns verspricht, Dass das Eis zwischen uns endlich aufbricht, Vergiss also bitte nicht Hinter jedem Sturm brennt Der Himmel im goldenen Licht Du und ich, wir sind junge Vulkane Wir brechen aus aus verkrusteten Zeiten Reißen harte Schalen Und schleudern sie raus in unendliche Weiten Wir sind die Asche, das Gas und das Nichts Die sich über die Kontinente ausbreiten Vergiss also bitte nicht Hinter jedem ...

Tausend Leben

Tausend Leben Werden tausendmal gelebt Tausend Leben Tausendmal die Chance, dass man es auch mal versteht. Ein Leben Für meine Tochter aus Diamant Die mit gestochen scharfen Augen Am Weltenstein schärft ihren Verstand Ein Leben Für meinen Sohn, er hat die Macht Die ganze Welt liegt ihm zu Füßen Weil er Probleme frech anlacht Ein Leben Für meine Frau, die Zauberin Durch jede Faser braust Magie In jedem Sternenrausch, ein Djinn. Ein Leben Für die Familie aus Granit Nichts kann ihr Widerfahren Sie ...

Marie Mallarmé – Kapitel 4 (1)

Man darf ruhig glauben, dass schon von Anfang an, Marie Mallarmé nicht von Ehrfurcht ergriffen war, sondern von dem Gefühl, grenzenlos überfordert zu sein. Sie stand vor all den vielen Kleinigkeiten, die von nun an ihr Leben bestimmen sollten, fremd und scheu und ohne Bezug zu den Dingen, die da geschahen. Die Kinder im Heiligen Geist pflegten allmorgendlich in dem großen Vorraum zu den Duschen ihre Kleider abzulegen und das kleine, fremde Mädchen wurde von allumfassender Scham ergriffen. Natürlich ...

Der Krebsgang – niemand muss allein

Wie Motten durch die besten Kleider, es frisst sich durch zehntausend Leiber. Wie das Wasser, das den Sand abträgt, kaum ein Sandkorn, das den Sog erträgt. Und wir kommen, um dir beizustehen Hände halten, stumm das Unverständliche verstehen Wir kommen, um die Angst zu jagen Fenster öffnen, niemand muss allein die Schwere tragen. Du erzählst, dass du beginnst zu reden, jede Nacht, du redest um zu überleben, du sprichst es an mit seinem vollen Namen nicht um es zu verfluchen, nur um es zu warnen! Und ...

Einem Freund (J.)

Mein Freund,
der vergisst einen Schatten zu werfen,
Licht nicht mehr mag,
vergib dir selbst, ein letztes Mal.

Mein Freund,
der wenn er denkt, das Atmen genießt,
reinste Luft,
verlassen von Bild und Ton

Nicht mehr einsam
nur allein mit sich selbst.

Der Brennnesselsommer (2/2)

Die Freundschaft zwischen Ben und mir war schon etwas eigenartig. Wir triezten uns gegenseitig, beleidigten uns, teilweise erniedrigten wir uns auch. Ben hatte ein Luftgewehr, einmal schoss er mir damit sogar in den Rücken. Auf große Distanz zwar und es hinterließ nicht mal einen blauen Fleck, aber trotzdem: welche Freunde tun so was? Für all solche Dinge revanchierte ich mich kurz später immer gebührend. Auf sein Luftgewehrangriff folgte ein Tag, an dem wir den Keller seines Vaters aufräumen ...