Satire: die Namensammler

An der einen Stelle sammelt man Namen und Daten und alles, was man über den Namen so wissen kann. Nicht, was man wissen muss, sondern viel mehr. Was es zu wissen gibt. An der einen Stelle sammelt man Namen und Daten und alles, was in dem Namen so alles drin steckt. So wie in einem Ei ein Kücken, so steckt in dem Namen ein Individuum und eine individuelle Realität. Da weiß man irgendwo, dass irgendwo anders ein irgendjemand an irgend einem bestimmten Tag an einem irgend bestimmten Ort war und ...

Verdunkelung

Kalt türmen die Wolken sich auf langsam vom Horizont rollen einher die sich ballenden Massen Licht fressender Ungetümer Die den Himmel erobern Titanenfäusten gleich schwarz an den unteren Rändern Erobernd das Himmelreich. Kalt schwärzen die Wolken im Windstillen wartet das Land auf den drohenden Sturm Kalt schwärzen die Wolken tünchen die Felder ins Tintentief mit dem Schriftzug, der Sturm verheißt. Diesseits des Sturms harrt die Stille. Jenseits des Sturm Verwüstung. Das Dazwischen ...

„Fliegenschiss“

Eine vollkommen ahistorische Fliege, gar von jener sowohl eintägig als auch bremsenden Art, entledigte ihre ebenso ahistorischen Fäkalien kurzerhand und gedankenlos auf einem kleinkarierten Sakko. Da sie von nur unbedeutender Art ihr Dasein fristete, hegte sie kaum Interesse an den Worten, welche aus unmittelbarer Nähe an sie gerichtet waren. Es interessierte sie recht wenig, nun landweit als Nazi diffamiert worden zu sein. Statt dessen verließ sie das gar laut röhrende Zentrum, derer sie sich ...

Sieh nur! (Sonett)

Sieh nur! Der Himmel wird gestreift. Die Worte sind zum Flug gereift Sieh nur! Bald können wir es spüren Wenn sie am Boden detonieren Und sieh, sie zeichnen neue Horizonte. Man tat wirklich alles, was man konnte Und hör: was soll man sinnlos diskutieren Wenn sie am Boden detonieren Sie wollen Masken von Damaskus reißen Und Krieg soll wieder Frieden heißen Sie wollen, dass die Welt im maximalen Farbenrausch ertrinkt. Sie säen Blut und ernten Macht Sie streuen Feuersamen in der Nacht Wir brennen ...

Der reine Vernichter – Essay

Die Destruktion hat Konjunktur. Wir rutschen in die Zeit der Destruktion hinein, sind vielleicht sogar schon in ihr. Wir erkennen in der Destruktion das Konstruktive. Und ein neuer Protagonist hat die Weltbühne betreten: der Vernichter des Vernichtens Willen. Es gab vorher schon Vernichter. Solche, die die Welt abreißen wollten, niederbrennen bis auf die Grundfesten, um eine neue Welt darauf zu erbauen. Aber diese Art der Vernichter, die man visionäre Vernichter nennen mag, sind inzwischen selbst ...