15. Kalendertürchen: Mc Dreamys Augenringe verschwanden, als meine Beatmungsmaschine nicht mehr funktionierte

Als meine Beatmungsmaschine nicht mehr funktionierte, war die Welt auf einmal ganz verschwommen. Wie ein schlechter Drogentrip. Mein Arzt wird wohl nachher meinen Text hier durchgehen und an den Rand schreiben: „Nicht die Beatmungsmaschine ist kaputt, sondern dein Körper. Alles Biologie. Auf Technik kann man sich nämlich verlassen. Selbst, wenn sie scheitert.“ Würde er nicht so verdammt gut aussehen, wär er ein Arschloch. Und das gute Aussehen ist natürlich zeitabhängig: Als ich ...

Das Ding unter der Erde

Hi Cain,

wenn ich malen könnte, wäre es vielleicht einfacher, dir alles zu erzählen. Ich würde mit einem ganz einfachen Bild anfangen. Mit mir, wie ich als siebzehnjähriger Ende September in dem großen Sonnenblumenfeld stand. Die ganzen Köpfe der Sonnenblumen waren so tot wie der Sommer. Die Blumenköpfe waren nach allen Richtungen verrenkt und verdreht. Sie waren so schwarz, weil ihnen die Augustsonne das ganze Leben aus dem Leib gebrannt hatte. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, sich ...

Sturmzeit (10) – Ende –

 

„Ich bin bereit!“, sagte Drafi ein paar Mal. Klatschnass gingen sie durch den Sturzregen in Richtung Marktplatz. Damit waren sie die einzigen. Alle anderen kamen ihnen entgegen.

„Der Markt ist geschlossen. Ist keine Marktzeit. Ist Sturmzeit!“, rief ihnen jemand zu.

Drafi brüllte ihn an. Es war ein wortloses Schreien, aus tiefster Seele, unter dem der Andere zusammenzuckte und hastig das Weite suchte.

„Drafi!“, rief Quinn ihm zu. Aber er ignorierte sie weiterhin. „Was tust ...

Sturmzeit (9)

Zum ersten Teil geht es hier

Durch die Luft schwammen düstere Töne. Ein eselköpfiger Mann tauchte plötzlich auf. Er schaute scheel zu Quinn und Drafi hinüber. Langsam tauchte die Nacht die Stadt in ihre Schwärze. Es blitzte kurz. Ein Wetterleuchten. Von der Sommerhitze stieg aus allen Gullideckeln Rauch auf. Der Eselkopf lachte ihnen stumm hinterher. Aus einer Gasse traten Feuergaukler aus dem Dunst.

Direkt dahinter: Musiker mit Dudelsäcken und einer laut lachenden, grölenden Gefolgschaft.

Über ...

Sturmzeit (6)

Anfang verpasst?

Hier geht es zu Teil (1)
Hier geht es zu Teil (2)
Hier geht es zu Teil (3)
Hier geht es zu Teil (4)
Hier geht es zu Teil (5)

Und jetzt geht es endlich weiter:

Als Josy mit 16 ihren Steven heiratete, hatte sie zu ihrer Schwester wortwörtlich das gleiche gesagt, was sie auf dem Rückweg jetzt auch zu Quinn sagte: „Das war’s. Ich hab den letzten Schlag hinter mir.“ Und weil Quinn nichts antwortete, sondern einfach nur auf den schwarzen Boden vor ihren Füßen starrte, fuhr ...

Sturmzeit (5)

Ohne die ersten vier Teile wird man wohl kaum etwas verstehen.
Daher hier klicken, wenn man Teil 1 verpasst hat.
Teil 2 ist hier.
Teil 3 ist hier.
Teil 4 ist hier.

Und hier beginnt Teil 5:

 

Absurderweise sagte Steven: „Ich fürchte, wir haben uns verlaufen.“

Aber er sagte es mit einer ganz tonlosen Stimme. Als wäre nur ein Tonband in ihm am Laufen. Mit seinen Gedanken schien er ganz woanders zu sein.

Josy klammerte sich enger an Quinn.

„Quinn“, sagte sie. „Sie war wirklich ...

Der Glaspalast der Katzen

Wohin Katzen verschwinden, wenn sie davonlaufen. Aus ihrer Heimat. Von den sie Liebenden fort, die dann Suchplakate für sie aushängen:

Durch feuchte Unterführungen, die so stark nach Urin stinken, dass Menschen lieber den ihnen verbotenen Weg über die Gleise hinweg nehmen und bereits Absperr- und Sicherheitszäune niedergetrampelt haben. Zu den Stadträndern hin, deren Felder schon seit Jahren von Bauern vergessen werden, überwuchern und von Insekten überbevölkert. Hinter die nach Moos und ...

Das Netz des Lebens

Erster Schritt: Familienzeit.

Alles fährt runter. Der Blick richtet sich nach innen, je dunkler es wird. Alles geschmückt. Überall Glanz an den Fassaden, der sich in den Augen spiegelt.

Zweiter Schritt: Silvester.

Überall sagen sie: Altes endet, Neues beginnt. Vorsätze. Darum blickt man zurück. Blick von innen heraus auf das eigene Leben und die Entscheidungen gerichtet.

Letzter Schritt: Selbstmord.

In dieser Zeit mehr denn je. Weil man sich versieht. An den entscheidenden Dingen vorbeiblickt. ...