Sturmzeit (10) – Ende –

  „Ich bin bereit!“, sagte Drafi ein paar Mal. Klatschnass gingen sie durch den Sturzregen in Richtung Marktplatz. Damit waren sie die einzigen. Alle anderen kamen ihnen entgegen. „Der Markt ist geschlossen. Ist keine Marktzeit. Ist Sturmzeit!“, rief ihnen jemand zu. Drafi brüllte ihn an. Es war ein wortloses Schreien, aus tiefster Seele, unter dem der Andere zusammenzuckte und hastig das Weite suchte. „Drafi!“, rief Quinn ihm zu. Aber er ignorierte sie weiterhin. „Was tust ...

Sturmzeit (9)

Zum ersten Teil geht es hier Durch die Luft schwammen düstere Töne. Ein eselköpfiger Mann tauchte plötzlich auf. Er schaute scheel zu Quinn und Drafi hinüber. Langsam tauchte die Nacht die Stadt in ihre Schwärze. Es blitzte kurz. Ein Wetterleuchten. Von der Sommerhitze stieg aus allen Gullideckeln Rauch auf. Der Eselkopf lachte ihnen stumm hinterher. Aus einer Gasse traten Feuergaukler aus dem Dunst. Direkt dahinter: Musiker mit Dudelsäcken und einer laut lachenden, grölenden Gefolgschaft. Über ...

Sturmzeit (6)

Anfang verpasst? Hier geht es zu Teil (1) Hier geht es zu Teil (2) Hier geht es zu Teil (3) Hier geht es zu Teil (4) Hier geht es zu Teil (5) Und jetzt geht es endlich weiter: Als Josy mit 16 ihren Steven heiratete, hatte sie zu ihrer Schwester wortwörtlich das gleiche gesagt, was sie auf dem Rückweg jetzt auch zu Quinn sagte: „Das war’s. Ich hab den letzten Schlag hinter mir.“ Und weil Quinn nichts antwortete, sondern einfach nur auf den schwarzen Boden vor ihren Füßen starrte, fuhr ...

Sturmzeit (5)

Ohne die ersten vier Teile wird man wohl kaum etwas verstehen. Daher hier klicken, wenn man Teil 1 verpasst hat. Teil 2 ist hier. Teil 3 ist hier. Teil 4 ist hier. Und hier beginnt Teil 5:   Absurderweise sagte Steven: „Ich fürchte, wir haben uns verlaufen.“ Aber er sagte es mit einer ganz tonlosen Stimme. Als wäre nur ein Tonband in ihm am Laufen. Mit seinen Gedanken schien er ganz woanders zu sein. Josy klammerte sich enger an Quinn. „Quinn“, sagte sie. „Sie war wirklich ...

Der Glaspalast der Katzen

Wohin Katzen verschwinden, wenn sie davonlaufen. Aus ihrer Heimat. Von den sie Liebenden fort, die dann Suchplakate für sie aushängen: Durch feuchte Unterführungen, die so stark nach Urin stinken, dass Menschen lieber den ihnen verbotenen Weg über die Gleise hinweg nehmen und bereits Absperr- und Sicherheitszäune niedergetrampelt haben. Zu den Stadträndern hin, deren Felder schon seit Jahren von Bauern vergessen werden, überwuchern und von Insekten überbevölkert. Hinter die nach Moos und ...

Das Netz des Lebens

Erster Schritt: Familienzeit. Alles fährt runter. Der Blick richtet sich nach innen, je dunkler es wird. Alles geschmückt. Überall Glanz an den Fassaden, der sich in den Augen spiegelt. Zweiter Schritt: Silvester. Überall sagen sie: Altes endet, Neues beginnt. Vorsätze. Darum blickt man zurück. Blick von innen heraus auf das eigene Leben und die Entscheidungen gerichtet. Letzter Schritt: Selbstmord. In dieser Zeit mehr denn je. Weil man sich versieht. An den entscheidenden Dingen vorbeiblickt. ...

Das Gespräch, das nie zu Ende geführt wird

Kennst du dieses Gespräch, das nicht zu Ende geführt wird? Du redest dich um Kopf und Kragen und trotzdem ist da auf einmal dieser eine Augenblick, in dem der Eine auf einmal bei dir ist und dir die Frage stellt, die schon seit ein paar Jahren zwischen euch stand. Und er fragt und du antwortest und das Gespräch beginnt, das euch wichtig ist. Ihr rückt aneinander, verschworen, und du fragst zurück, um deine Antwort vorzubereiten. Da kommt die Welt dazwischen. Und drängt sich hinein in die ...

Buchenwald (3)

Ich bin eingeschlafen, als ich zu Hause ankam. Und da war sofort dieser Traum. Wie ich aus der Tür trete. Hinter mir blieb das große, pechschwarze und undurchsichtige Ewigwabernde zurück. Ich trat von der Wärme hinaus in die grelle Kälte. Stand auf einer unendlich weiten Fläche voller Kieselsteine. Die Luft schmeckte staubig, steinig, ähnlich wie Kalk. Ich hob einen Stein auf, einen der Weißen. Jnd ich sah, dass das Weiße sich wie Kreide abwischen ließ. Ich sah auf, schnürte mir den ...