Sonntag

Lass dir mit mir

Den letzten Rest Sonntag

Auf der Zunge zergehn

Lass uns wie Wolkenschatten

Ganz gemächlich

Übers Leben drüber ziehn

Lass uns gemeinsam

Den Abendglanz genießen

Lass mich nicht allein

Die Sonnenblumen gießen.

Auf ein Wort

Komm vorbei

Auf ein Wort

Das wir uns teilen

Worauf genug

Platz ist für zwei

Das von oben betrachtet

Anders wirkt, wenn

Es vor unseren Füßen liegt

Ein Wort wie ein Weg

Vom Vorbei wo wir stehn

Zum Jetztfängtesan.

Komm auf ein Wort

Darauf ist es nicht

So eng wie man meinen mag

Steht man davor und blickt auf.

Komm vorbei

Ich steh drauf

Und warte.

Ich gestehe

Ich gestehe: ich gehe in Antiquariate, Nicht etwa um zu kaufen. Zum Riechen. Ich tauche gerne durch den Geruch Der entsteht, wenn sich Staub Allmählich auf die Jahre legt Wenn leicht die Feuchtigkeit Jahrzehnte tränkt Hartes Sonnenlicht die Farben dämmt Durch Sütterlinlettern, Die kratzbeinig stehn, Längst tote Gedanken Majestätisch wieder auferstehn Durch Ölgemaltes Und Lederverschnürtes Erblick ich Hartholverziertes Worin ich träume, eines fernen Tags Quarthefte zu finden ...

Die Tage des Eisvogels

Stumm wie ein Abend, der über uns niedergleitet, So sanft und gefällig aus dünnstem Geflecht Leicht zu zerreißen mit flüsternder Stimm nur Ein letztes Mal urteilt die Welt gerecht, Wenn um den Körper sie legt die glänzende Gischt So gnädig umschmeichelt das Meer seinen Leib Leicht zu erinnern, schwer zu vergessen Die Winde flüstern im Traum das Wort „Bleib!“ Doch die Klippen stehn absprungbereit Doch die Klippen deuten scharfkantig auf Sturm Und die Lippen beben vor Angst vor der Zeit Hoch ...

Stilles Glück mit meinem Sohn

Wir sitzen auf der alten Brücke
Werfen Steine in den Bach
Deine kleinen Beine schuckeln
Der Wald wird langsam wach

Der Morgenwind gesellt sich her
Bläht einen Blühtenschirmchenschwarm
Legt über uns den Himmelsatemflair
legst dein Köpfchen an meinen Arm

Lass uns blau den Himmel
Über uns hin ziehen
Lass uns der Welt ihr Sommerzimmer
Glücklich heut beziehen

Du und ich und diese eine Sekunde
Dieses eine Tiefgefällt
Deine Träume zeichnen bunte
Kritzelstriche um uns in die Welt

Schirm

Komm unter meinen Schirm. Es beginnt zu regnen. Obwohl der Himmel wolkenlos ist. Verrückt. Die Sommerregen können unangenehm sein. Komm ruhig näher. Sag mir, wohin wir gehen und verlass dich auf mich. Langsam sinken alle Farben nach unten. Die Stadt tauscht das Licht mit der Welt. An der Uferpromenade zünden sie Fackeln an, haben sie gesagt. In der Fußgängerzone wird es so dicht, dass kein Durchkommen mehr möglich ist. Sieben Bühnen mit vielen verschiedenen Acts. Da wirst du nicht nur zerdrückt, ...

Zwei Männer

  Ein Künstler ist immer bis zu einem gewissen Grad unschuldig – und schuldig, er ist wie ein Kind, das gescholten wird wegen einer Sache, in der es sich nicht schuldig fühlt – und das gelobt wird wegen einer Sache, die es gar nicht so lobenswert findet. (Heinrich Böll)    Niemand sah ihn an und das brachte ihm diesen einen Gedanken zurück, den er einmal zu Studentenzeiten gehört hatte. Es war eine Verballhornung von Brecht gewesen. Aber eine psychologisch verdammt gute, wie er fand: ...

Wär ich ein Baum

Wär ich ein Baum,
Ich wüchs dir einen Schatten
Worin du Ruhe fändest, Kraft
Und Träume von Arkadien

Wär ich ein Land,
Ich röch nach feuchter Erde
Nach frischem Moos,
Das dich betört.

Wär ich die Welt,
Ich hielt die Luft an nur für uns
Und für den einen Augenblick
Da wir uns im Regen küssten unter Eichen

Ist schon ok

Du legst deine Faust an meine Schon ok, ist schon ok Öffnest jede Bande, jede Leine Schon ok, ist schon ok Brichst jeden Schlüssel zu meinem Verstand Schon ok, ist schon ok Setzt alle Brücken in lodernden Brand Schon ok, ist schon ok Sagt alle Welt, doch es ist Nichts ok, nichts ok Auf dieser Welt Nichts ok, schon lang nicht mehr Schreibst online, dass du dich ändern musst Schon ok, ist schon ok Schreibst, es heißt Veränderung und nicht Verlust Schon ok, ist schon ok Und noch ein Bild von ...