Wenn ich mich auseinandersetze

Mit dir

Ich jedes Teil auseinandersetze

Von mir

Und am Ende immer noch ein Teil fehlt

Wir setzen uns wild aneinander

Fügen uns zum neuen Chaos beinander

Werden ein Teilchengestöber

Vorzüglicher Güte

Wenn dann ein Teil fehlt

Von uns

Teilen wir uns die Lücke

Wir zwei

Und setzen uns nicht mit der Suche

Auseinander

Sondern mit uns

Dem Teil aus Teilen

Dem Einen aus Zwei

Sonntag

Lass dir mit mir

Den letzten Rest Sonntag

Auf der Zunge zergehn

Lass uns wie Wolkenschatten

Ganz gemächlich

Übers Leben drüber ziehn

Lass uns gemeinsam

Den Abendglanz genießen

Lass mich nicht allein

Die Sonnenblumen gießen.

Die Einschulung

Es war schon merkwürdig, wie sich die Gesprächsthemen bei Tisch verändert hatten. Da war mal eine Zeit, in der man einfach schweigend an einem Grill gestanden hatte, Schulter an Schulter, in die Glut geblickt hat und alles war gut. Man nannte so was: „Den Gott einen lieben Mann sein lassen“. Und während die Tischgespräche dann langsam gewechselt waren zu bedenklichen, politischen Zuständen, man sich über Präsidenten genauso intensiv unterhielt wie über die Schreibfähigkeiten deutscher ...

Lebenslänglich (3/3)

Anfang verpasst? Hier klicken für Teil 1 Hier klicken für Teil 2. Steven war verdammt gut im Pokerspielen. Er erkannte einen Bluff. Und er verstand es, zu kontern. „Sie tun mir Leid.“, antwortete er deshalb dem Direktor auf dessen lange Ansprache. „Ganz ehrlich. Sie haben ein so gut sortiertes Haus, führen die Anstalt mit so viel Eifer und Übersicht. Sie bekommen sogar mit, wenn ihr Vorzeigenazi sich mit dem Vorzeigetunesier anfreundet, ihrem politischen Abschiebefall. Aber sie bekommen ...

Mein fremder Blick

Ich mag den Blick
durch fremde Fenster
In fremde Küchen
Wenn keiner da ist
Nur das Licht
Das ein Stilleben
Einer beliebigen Familie
An einem beliebigen Tag
Einfriert.
Dann denke ich immer:
Wie schön!
Hier wär ich gern einmal Gast
Dann wär nichts mehr fremd
Und nichts mehr beliebig
Und was still wär würd leben.

Stilles Glück mit meinem Sohn

Wir sitzen auf der alten Brücke
Werfen Steine in den Bach
Deine kleinen Beine schuckeln
Der Wald wird langsam wach

Der Morgenwind gesellt sich her
Bläht einen Blühtenschirmchenschwarm
Legt über uns den Himmelsatemflair
legst dein Köpfchen an meinen Arm

Lass uns blau den Himmel
Über uns hin ziehen
Lass uns der Welt ihr Sommerzimmer
Glücklich heut beziehen

Du und ich und diese eine Sekunde
Dieses eine Tiefgefällt
Deine Träume zeichnen bunte
Kritzelstriche um uns in die Welt

Das Wutmonster

"Ich habe Angst davor, dass einfach jemand Fremdes zu uns ins Haus kommt", erklärte sie mir. Sie lag im Bett, die Bettdecke bis zum Kinn hochgezogen. Sie war totmüde und ihr kleiner Mund wurde ganz groß, als ein unkontrollierbarer Gähnanfall ihren ganzen kleinen Mädchenkörper ergriff. "Keine Angst, es kommt niemand zu uns ins Haus. Wir haben doch die Haustür abgeschlossen und die Läden unten." "Mama hat mir von dem Krankenhaus im Wald erzählt.", sagte sie plötzlich. Ich lächelte gequält. ...

Mit meinem Kind über den Tod reden …

Was ist der Tod? Ich erinnere mich noch daran, wie ich mir selbst zum ersten Mal diese Frage gestellt habe. Und wie ich mich auf die Suche gemacht habe, eine Antwort zu finden. Ich muss wohl so alt wie du gewesen sein. Nein warte, ein Jahr älter. Ich ging nämlich schon zur Schule. Und ich ging schon alleine auf dem Schulweg. Naja, alleine, ich meine mit anderen Freunden aber nicht mehr mit meinen Eltern. Es war auch kein besonders weiter Schulweg und es gab auch nur eine einzige gefährliche Stelle. ...

Erster Mai, Wanderung ins Tal der Klischees

Es gibt Besuche, die sind mir so lieb, dass ich mich sogar mit größter Migräne aus der schützenden Dunkelheit des Schlafzimmers quäle. Bemüht langsam bewege ich mich und versichere mich alle paar Schritte, dass mein Kopf noch gerade sitzt. Es fühlt sich so an, als wäre mein Gehirn schmerzhaft zusammengetrocknet worden, dass es jetzt haltlos immer wieder gegen die Schädelwände prallt, wenn die Bewegung zu heftig wird. Aber ich bleibe tapfer und bereite das Essen vor, quäle mich mit Sonnenbrille ...