So ein Mensch

So ein Mensch, der gelebt hat, Im Sterben aber gegen den losen Stein eines Damms fällt, Dessen Tod dann die Flut bringt, Und nunmehr nun nicht mehr Als ein Anstoß geworden ist: So einer ist in den Augen Der Welle kein Mensch mehr. Auf den Straßen der Republik: Wölfe Mit blutleerem Blick. So ein Mensch, den man brüllend Durch ein Land trägt, mit nichts Als Angst und Hass und Stolz Dessen Tod lauter klingt als sein Name, dessen Biografie Wertloser wurde als seine Beerdigung, so ...

Schirm

Komm unter meinen Schirm. Es beginnt zu regnen. Obwohl der Himmel wolkenlos ist. Verrückt. Die Sommerregen können unangenehm sein. Komm ruhig näher. Sag mir, wohin wir gehen und verlass dich auf mich. Langsam sinken alle Farben nach unten. Die Stadt tauscht das Licht mit der Welt. An der Uferpromenade zünden sie Fackeln an, haben sie gesagt. In der Fußgängerzone wird es so dicht, dass kein Durchkommen mehr möglich ist. Sieben Bühnen mit vielen verschiedenen Acts. Da wirst du nicht nur zerdrückt, ...

Signs

Ich lege meinen Arm um dich Ganz nah bei mir zu spürn Die Straße läuft auch ohne mich Woanders hin zu führn Der Regen malt seit Stunden Die Welt in Streifen an Die Fenster durch die Runden Auf unsrer Impressio Lebensbahn There are signs, which way to go There are signs, which way to stay Die Leuchtreklame blitzt Sterne Funkeln in den Tropfen auf der Sicht Verrinnt die Zeit. Komm wir gehen Nirgendwo hin als nur zum Licht. Die Himmel sollen stürzen Kann man überall, warum nicht hier mit mir Gibt ...

Visionen

Vor Zeiten, da in der Stadt alle Bewohner über all die Dinge Bescheid wussten, die es zu wissen gab über alle Nachbarn und alle im Viertel, ja über alle in der ganzen Stadt, da war es so, dass niemand sich für irgend etwas anderes als die eigenen Belange interessierte. Man war zufrieden in einfachster Manier sich einzuschließen und den Schatten an der eigenen Wand mehr Bedeutung beizumessen als dem Tageslicht oder den Gegenständen, die für die Schatten verantwortlich waren. Irgendwann hatte ...

Familienausfluch

Manche Erinnerungen schmerzen Wie von schweren Wagen in den Straßenasphalt gepresst Unablässig Manche Wegeführungen sind vertraut Bis um diese eine Ecke Wohinter auf einmal alles nach irgendwie aussieht Wertlos Wie der Straßenmusiker An dem großen, weiten Platz Mit Instrumenten beladen Mit Jahr für Jahr kehliger werdender Kehlkopfkrebsstimme Dort ist heute das Pflaster neu verteert, Strahlend und hell im Katzendiamant Unter Regenlachen Und selbst sein Schatten ist Aufgelöst Manche ...

Das Unbequeme – Essay

Die unbequemsten Menschen sind die, welche zum Zweck zu schlecht und zu[m] Mittel zu dumm sind. (Sophie Mereau-Brentano)   Meiner Erfahrung nach ist die Unterscheidung zwischen Zweck und Mittel nicht mehr so leicht zu verstehen. Man muss es mit dem Sprichwort erklären, eine Sache geschehe als „Mittel zum Zweck“. Ein Zweck ist ein Ziel. Und wenn Kant sagt, man darf nie einen Menschen als Mittel verwenden, stets immer nur als Zweck, dann bedeutet das: Jedes Handeln soll auf das Ziel „Mensch“ ...

Schönstadt – Essay

Die Sitze in den Bussen und Straßenbahnen haben einen unfassbar hässlichen Bezug. Und das absichtlich. Man geht davon aus, dass die Menschen in öffentlichen Räumen randalieren. Also sieht der blaue Bezug so aus, als wäre mit Edding und mit Sprühfarbe ein kreuzundquer Muster überall aufgemalt worden. Kurzum: es sieht so aus, als wäre schon Schindluder mit der öffentlichen Einrichtung betrieben worden. Das ist eine verkappte Psychologie. Du sitzt umgeben von absoluter Hässlichkeit und sollst ...

Maschinen

Die Maschinen im Innern defekt Zu Reparieren mit silbernen Händen gelingt es. Die Arme nach links und nach rechts erhobene Hände die Handflächen zum Himmel gerichtet Um Punkt Vier bluten sie Rost gequälte Getriebe Seele, erhebe dich! Steh' auf von den Toten! Steh auf aus dem ewigen Trümmerschlaf versteck' dich im Lichte der ölschwarzen Nächte Industrieschornsteine wie Kirchtürme dampfende Zähne der Zeit aus dem Stadtbild gereckt Die Maschinen im Innern defekt und keine Bewegung für ...

Silberne Band (Blues)

Bitte glaub mir, ich weiß nicht, was geschieht Seit heute Morgen Spielt die silberne Band ihr Lied Unruhig geschlafen Mit dem Vollmond im Gesicht Es ist dieser Sommer Der uns einfach nicht vergisst. Die staubigen Straßen Singen vom Horizont und vom Meer Ihr treibend synkopischer Rhythmus, sagst du, sei alles andre als fair. Und siehst du einen Mann auf der Straße, Der mit den Fingern einfach so schnippt. Ja, siehst du diesen Mann auf der Straße, Der vor die eigenen Schritte nur blickt Siehst ...

Am anderen Ende der Straße

Am anderen Ende der Straße Steht ein namenloses Haus. Am anderen Ende der Straße Sehen die Hunde räudiger aus. Am anderen Ende der Straße Wird die Straße nie fertig gebaut Am anderen Ende der Straße Wird an Fleisch statt an Götter geglaubt. Am anderen Ende der Straße Laternen mit nikotingelbem Licht Am anderen Ende der Straße Nennt Jim seine Faust „das Letzte Gericht“. Am anderen Ende der Straße Wo seit Tagen eine Warnleuchte blinkt Am anderen Ende der Straße Sind Frauen wie Motten ...