Sonntag

Lass dir mit mir

Den letzten Rest Sonntag

Auf der Zunge zergehn

Lass uns wie Wolkenschatten

Ganz gemächlich

Übers Leben drüber ziehn

Lass uns gemeinsam

Den Abendglanz genießen

Lass mich nicht allein

Die Sonnenblumen gießen.

Ich gestehe

Ich gestehe: ich gehe in Antiquariate, Nicht etwa um zu kaufen. Zum Riechen. Ich tauche gerne durch den Geruch Der entsteht, wenn sich Staub Allmählich auf die Jahre legt Wenn leicht die Feuchtigkeit Jahrzehnte tränkt Hartes Sonnenlicht die Farben dämmt Durch Sütterlinlettern, Die kratzbeinig stehn, Längst tote Gedanken Majestätisch wieder auferstehn Durch Ölgemaltes Und Lederverschnürtes Erblick ich Hartholverziertes Worin ich träume, eines fernen Tags Quarthefte zu finden ...

Große Fragen

Kleine Leben stellen große Fragen Heben Welten aus den Fugen Große Leben wollen alles sagen Wissen doch selbst nicht, Wohin einst ihre Antworten sie trugen. Kleine Leben stellen Großes her Ordnen Großes um mit kleiner Kraft Großen Leben fällt das Kleinste schwer Weil kräftig ihnen alles rührt Und Chaos ihnen jede Ändrung schafft Kleine Leben denken groß großes Leben in Kanälen Ach Gott, wie denkt man denn bloß? Fragt sich jede Seite anstatt das Große mit dem Kleinen zu ...

Fühle

Der Himmel in makelloser Weite Du weißt, wie ich mich fühle Die Konturen der halben Welt Auf den Staub eines Hinterkopfs gezeichnet Mit schwacher Fingerspitze Du weißt, wie ich mich fühle Die Schatten, die an uns kleben Du weißt, wie ich mich fühle In den schwarzen Schattentaschen Haben wir das Reisegeld Zerknüllte Scheine Selbstbemalt mit dem Dreck, Der im Blut war Du weißt, wie ich mich fühle Kaum gerade stehen Der letzte Anstand an den Nächsten Hält uns aufrecht Du ...

Nachtblumen

Es gibt Sternennächte, da liegen wir und sagen nichts. Obwohl es erst Mai ist, flüstert die Luft mit lauem Atem. „Jetzt eine Sternschnuppe.“, sagst du. „Ist dir schon aufgefallen, dass es Blüten gibt, die nur nachts blühen?“ Du drehst deinen Kopf zu mir um. „Und die Tagblumen schließen ihre Köpfe. Müsste es da nachts auf einer Blumenwiese nicht ganz anders duften als am Tag?" Ich höre dich tief einatmen. „Du hast Recht.“, flüsterst du mit aufgeregtem Zittern in der Stimme. Und ...

Synästhetic

Fühlt sich grad an Als wären alle Worte im Kopf Schmetterlinge in etwas zu Starken Sommerwindwirbeln Fühlt sich grad Alles andere als gradlinig an In meinem Kopf schwirren Bilder von dir wie Maikäfer Um Lichtwolken herum Die durch taugesprenkelte Lilanächte in Erinnerungsfetzen Verklumpen, Die vor lauter Geschwirre Undurchdringlich schwarz werden. In meinem Brustkorb klingt es Wie mit der gewaltigsten Kraft Der Erde gegen die dickwandigste Goldglocke gedroschen Dröhnende Ununterscheidbarkeit Zwischen ...

Visionen

Vor Zeiten, da in der Stadt alle Bewohner über all die Dinge Bescheid wussten, die es zu wissen gab über alle Nachbarn und alle im Viertel, ja über alle in der ganzen Stadt, da war es so, dass niemand sich für irgend etwas anderes als die eigenen Belange interessierte. Man war zufrieden in einfachster Manier sich einzuschließen und den Schatten an der eigenen Wand mehr Bedeutung beizumessen als dem Tageslicht oder den Gegenständen, die für die Schatten verantwortlich waren. Irgendwann hatte ...

Leg dich!

Zum Jubiläums Aufruf von Dario, Schrittweise Leg dich, leg dich hierhin Leg dich daneben, darin Leg dein Wort mir an die Seite Leg mir dein Versprechen an die Brust. Leg mir die Finger auf die Lippen Leg mir dein Fühlen in die Lust. Leg mir dein Schweigen an mein Herz Leg, für einen Augenblick nur, Leg mir die Kühle in den Schmerz. Leg mir dein Atmen in mein Ohr. Leg du mir tausendfach verstrickte Leg mir Geschichten in meinen Schwur Leg mir die Schritte auf die Wege Leg dich daneben, leg dich ...