Lichternte

  Über der Stadt hing ein Zementhimmel. Es regnete nicht. Aber wenn man genau hinsah, dann hingen dünne, lose Fäden von dem Himmel herab. Und an jedem kondensierte die Luft zu silbrig-grauen Tropfen. Wenn man darunter stand und hochblickte, dann musste man schon sehr genau hinsehen. Man musste so gute Augen haben wie nur wenige. Einer von diesen Wenigen war der Herr mit dem weißen Hut, der auf seinem Weg zur Arbeit bei dem kleinen Zigaretten- und Zeitschriftenhäuschen immer kurz verweilte. ...

Beine auf Erden

Mit beiden Beinen auf der Erde Und Angst, du könntest dir den Kopf Am bleiern schweren Himmel stoßen Rennst gegen Mauern und drängst Gegen ein Leben aus Gegenwind Hängst an einem Du, das zwischen den Fingern zerrinnt Entdeck doch die Welt aus einem Koffer Greif den nächsten Horizont an der Hand, spring über Zeilen wie Grenzen Entzünde dir selbst deinen Soundtrack Verlier deinen Namen zwischen Fremden Himmeln und noch fremderen Wettern Mit beiden Beinen auf der Erde Musst du dich ...

Ruhrgebiet 2019

Das Ruhrmuseum in Essen behauptet, die Menschen im Ruhrpott haben sich immer mit dem Prädikat der Männlichkeit selbstinterpretiert. Hier sei das Malochen wesentlicher Bestandteil der Selbstinszenierung, der Selbsterfüllung, vielleicht sogar des ganzen Selbstes. Fußball, Mantas, Reihenhausromantik, Straßenkinder, Trinkhallen, Industriecharme, Ruß statt Rouge. Und alles läge zerbrochen und im Wandel einbegriffen. Der Mann ist deutschlandweit nicht mehr das, was er einmal war. Männlich nicht ...