Das Ding unter der Erde

Hi Cain,

wenn ich malen könnte, wäre es vielleicht einfacher, dir alles zu erzählen. Ich würde mit einem ganz einfachen Bild anfangen. Mit mir, wie ich als siebzehnjähriger Ende September in dem großen Sonnenblumenfeld stand. Die ganzen Köpfe der Sonnenblumen waren so tot wie der Sommer. Die Blumenköpfe waren nach allen Richtungen verrenkt und verdreht. Sie waren so schwarz, weil ihnen die Augustsonne das ganze Leben aus dem Leib gebrannt hatte. Niemand hatte sich die Mühe gemacht, sich ...

Erster Advent – Neuanfang

Wer an der Vergangenheit leidet, ist handlungsunfähig.

Das hatte Helge ihm auf die erste Seite des Buches geschrieben. Überreicht hatte er es mit den einfachen Worten: „Herzlichen Glückwunsch“.

Nolte blätterte etwas unschlüssig darin. Es war ein Buch, wie er es garantiert nie selbst gekauft hätte. Aber er wusste, wie das Geschenk gemeint war. Helge und er waren dabei, sich von der Zeit in zwei verschiedene Richtungen trennen zu lassen.

Als ob das Leben ein Fluss wäre und ein großer ...

Hotel Delphin (3)

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Hier geht es zu Teil 2

Und hier geht es endlich zu Teil 3:

 

Ganz leise und ohne das Wasser groß in Bewegung zu versetzen, glitt Nour ins Becken. Sie tauchte unter den kleinen Kräuseln der Wasseroberfläche hindurch, und ihr Körper sah auf einmal ganz zerbrechlich aus. Ein schlanker Alienkörper, nicht geeignet für ein Leben auf dieser Erde, der durch das Unterwasseruniversum glitt.

Erst als sie auftauchte, verwandelte sie sich zurück in die, ...

Hotel Delphin (2)

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Zum ersten Teil:  hier klicken.

Tarek sah erleichtert aus, als Tobi kam.

„Weißt du, was hier abgeht?“, fragte Tarek.

„Klar. Ich hab immerhin alles organisiert.“

Wenn es eine Sache gab, die Tarek nicht ausstehen konnte, dann war es das selbstgerechte Grinsen, das Tobi an den Tag legte, wann immer er sich überlegen fühlte.

„Mira hat mir schon gesagt, dass sie dich mit allem hier ... sagen wir mal: überraschen will. Ist sie auch schon hier?“

„Eben nicht.“, ...

Die Brosche (2)

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2

Uboldo hatte wenig Freunde. Aber die wenigen waren von der Art, auf die man zählen konnte. Alessia di Vicenco war sogar eine ehemalige Geliebte. Eine von den wenigen Festen und die einzige, mit der er nicht nur verdammt guten Sex gehabt hatte, sondern auch heute noch ganz gut stand. Sie hatte ihn immer gemocht, obwohl er ihr genug Gründe gegeben hatte, ihn zu hassen. Und dafür war er ihr wirklich dankbar. So dankbar, dass er an diesem Abend mit einem wirklich ...

Sturmzeit (2)

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Die Weinstube im Erdgeschoss der Pension war bei ihrer Ankunft mäßig besucht. Man sah kurz auf, als sie eintraten. Aber die zweiten Blicke blieben auf ihnen haften. Folgten ihnen. Drafi begrüßte den Wirt wie einen alten Bekannten. Gerri und Steven setzte sich mit Josy und Jeannette sofort an eine Eckbank. Über ihnen hingen zwei ausgestopfte Wildschweinköpfe.

Quinn blieb noch unschlüssig zurück. Als sie sah, dass Jeannette zu ihr rüberblickte, bemerkte Quinn, ...

Sturmzeit (1)

 

Üble Typen gibt es wie Sand am Meer.

Und auf jeden kommt eine Frau, die eine Geschichte zu erzählen hat, weil er irgendwann mal versucht hat, ihr seine Geschichte auf die Haut zu schreiben. Mit blauer Tinte, so nannte zumindest Quinn es, wenn Drafi sie schlug: mit blauer Tinte schreiben.

Im Spiegel waren die Flecke verdammt dunkel. Zumindest in dem kaltweißen Neonlicht der Autobahntoilette.

Es gibt verschiedene Gründe, warum Männer ihre Frauen schlagen. Gerri, zum Beispiel schlug ...

Kinderfänger (4)

Eine Horrorgeschichte baut sich meiner Meinung nach langsam auf (Zum ersten Teil geht es hier). Aber es muss sich ein Konflikt aufbauen, der weitere Hintergrundinformationen bringt. (Zum zweiten Teil geht es hier) Die genannten Konflikte müssen sich verschärfen, der Protagonist muss in die Enge getrieben werden und vor eine Entscheidung gestellt werden (Zum dritten Teil geht es hier).

Und damit wären wir auch schon beim vierten Teil. Ist die Entscheidung einmal getroffen, wird es so schnell keinen ...

Kinderfänger (3)

 

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„Steig jetzt aus, Lev.“, sagte Onkel Vic so gutmütig er konnte. Lev konnte ihm noch nicht einmal böse sein. Er meinte es ja gut. Mehr als nur der Dorfpolizist war Vic ja auch wirklich der Bruder seiner Mutter. Und als solcher fühlte er sich ganz besonders für Lev verantwortlich und um sein Seelenheil besorgt.

Hätte er damals auf Tom und Lev gehört, läge Clementine vielleicht heute noch in ihrer Wiege.

Es ...