Auf ein Wort

Komm vorbei

Auf ein Wort

Das wir uns teilen

Worauf genug

Platz ist für zwei

Das von oben betrachtet

Anders wirkt, wenn

Es vor unseren Füßen liegt

Ein Wort wie ein Weg

Vom Vorbei wo wir stehn

Zum Jetztfängtesan.

Komm auf ein Wort

Darauf ist es nicht

So eng wie man meinen mag

Steht man davor und blickt auf.

Komm vorbei

Ich steh drauf

Und warte.

Steh auf

Steh auf

Deinen eigenen Wurzeln

Vor

Deinen eigenen Kulissen

Unter

Dem auf dich gerichteten Spotlight

Sonst

Spielst du nach anderer Götter Drehbuch

Fällst

In anderer Leben Schicksal

Unter

Fremden Schwertern

Und auf

Ungehörigen Bühnen

Spielt sich’s am schlechtesten.

Kenn deinen Text

Oder improvisier!

Hinter den Kulissen

Lauern die Augen deiner Zweitbesetzung

Große Fragen

Kleine Leben stellen große Fragen Heben Welten aus den Fugen Große Leben wollen alles sagen Wissen doch selbst nicht, Wohin einst ihre Antworten sie trugen. Kleine Leben stellen Großes her Ordnen Großes um mit kleiner Kraft Großen Leben fällt das Kleinste schwer Weil kräftig ihnen alles rührt Und Chaos ihnen jede Ändrung schafft Kleine Leben denken groß großes Leben in Kanälen Ach Gott, wie denkt man denn bloß? Fragt sich jede Seite anstatt das Große mit dem Kleinen zu ...

Synästhetic

Fühlt sich grad an Als wären alle Worte im Kopf Schmetterlinge in etwas zu Starken Sommerwindwirbeln Fühlt sich grad Alles andere als gradlinig an In meinem Kopf schwirren Bilder von dir wie Maikäfer Um Lichtwolken herum Die durch taugesprenkelte Lilanächte in Erinnerungsfetzen Verklumpen, Die vor lauter Geschwirre Undurchdringlich schwarz werden. In meinem Brustkorb klingt es Wie mit der gewaltigsten Kraft Der Erde gegen die dickwandigste Goldglocke gedroschen Dröhnende Ununterscheidbarkeit Zwischen ...

Heldentypen – Essay

Die Formel der Antike lautet: Er weiß es nicht, obwohl er es tut. Die Formel der Moderne, siehe Hamlet, lautet: Er weiß es, deswegen kann er es nicht tun. Und dann gerieten wir in die Spätmoderne, und da weiß er genau, was er tut und tut es trotzdem. Und dieses Bild der Geschichte und dieses Bild eines Helden sind wir müde geworden. Für die Darstellung dieses Helden gibt es ja nur den Weg des Zynismus und den eines tragischen Bewusstseins. Zynismus macht nur Zynikern spaß, also Hunden. ...

Seelenvögel

Von über den Himmeln
und deren Gestaden
berichten die Seelenvögel
beim irdischen Bade.

Es lauschen die Stummen
lächelnd den weit gereisten

Es kümmert die Himmel
nicht viel

Jenen Vögeln vergibt man
denn Träume wachsen nicht auf Böden.

 

Vera Icon – Essay

Das Vera Icon ist das Nonplusultra des Bildes. Es zeigt wie magisch das Bild sein kann. Es fängt auf, löst, ohne die Realität zu beschädigen, einen wesentlichen Ausschnitt aus der Realität und fängt diese ein, erhält sie, formt sie zu einem über die Zeit hinausdauernden Objekt. Wir tragen die Bilder mit uns herum, über unseren Tod hinaus und transportieren das Leben der Gegenwart so wie mit einer Flaschenpost durch die Zeit in die Zukunft. ...

Schönstadt – Essay

Die Sitze in den Bussen und Straßenbahnen haben einen unfassbar hässlichen Bezug. Und das absichtlich. Man geht davon aus, dass die Menschen in öffentlichen Räumen randalieren. Also sieht der blaue Bezug so aus, als wäre mit Edding und mit Sprühfarbe ein kreuzundquer Muster überall aufgemalt worden. Kurzum: es sieht so aus, als wäre schon Schindluder mit der öffentlichen Einrichtung betrieben worden. Das ist eine verkappte Psychologie. Du sitzt umgeben von absoluter Hässlichkeit und sollst ...

Zwischen den Zeitenzeilen

Der, den man nicht sah, den man hörte in den Liedern der Alten zwischen all ihren Tönen so sublim, dass er dem Auge dem Wort und dem Geist fremd war, fremd wie ein Geist. Von Geist und Seele erfasst ein Wanderer zwischen Gefühlen im Spiegel ein Hauch nur im Gedanken ein Augenblick, der vergangen, noch ehe er ist. Der, der nur sein wollte und der nicht war so lange man ihn vergaß. Der, den man nicht sah, den man hörte in den Liedern der Alten Als hätten sie ihn gekannt und hineingelegt in ...