Sonntag

Lass dir mit mir

Den letzten Rest Sonntag

Auf der Zunge zergehn

Lass uns wie Wolkenschatten

Ganz gemächlich

Übers Leben drüber ziehn

Lass uns gemeinsam

Den Abendglanz genießen

Lass mich nicht allein

Die Sonnenblumen gießen.

In Schale

Du wirfst dich für heut Nacht in Schale In einen Panzer aus Titan Der spiegelt die Leuchtstoffröhren So strahlst du alle an Lass sie doch sehen auf dir Was auch immer sie in dir sehen woll’n Dein Panzer ist ein Spiegel, der wenn er springt: nichts als Unglück bringt. Du drehst dich beim Tanzen im Kreis In einem Rhythmus aus Licht Du drehst tausend Köpfe ganz leicht Dein Innerstes bewegt sich nicht Du wirst zum Zentrum der Welt Zumindest für dich selbst Du wirst zu dem Augenblick Der sich ...

zu viel zu wenig

Will ich zu viel? Oder zu wenig? Im Leben hängen wie Wolken? Oder Grenzen ziehen wie ein König? Will ich so lange alles kaufen, was meinen Namen trägt, Bis mein Name im Markennamentsunami verschwindet? Oder will ich die ganze Welt sehen und Instagram fluten Mit Erinnerungen, an denen mein Erinnern erblindet? Will ich den perfekten Sound finden für ein perfektes Hintergrundrauschen? Will ich der Stille in stillen Augenblicken das Stillschweigen ablauschen? Will ich mit allen Sinnen in der Sinnlosigkeit ...

Untergrund

tauchst durch deine Zweifel unter Korallen aus Papier legst deine Hand auf jeden Fehler Atmen fällt hier unten schwer Je tiefer du versinkst Je tiefer du ertrinkst Je tiefer du verschwimmst Desto stärker wird dein Druck Ein Schwarm verstreuter Worte Ein Gedanke schwebt vorbei Zeichnest dir deine Unterwasserkarte Auf Grund gelaufen, geht nie die Zeit vorbei Auf Grund gelaufen, geht keine Zeit Zu keiner Zeit Vorbei. Je tiefer du versinkst Je tiefer du dich bringst Je tiefer du entschwimmst Desto ...

Wenn ich dir

Wenn ich dir einen Traum pflanzen soll,

Welche Farbe soll er haben?

Gold wie die Hallen des Narrenballs

Oder grau wie die Leinwand im Lichtspielhaus,

Kurz bevor der Film beginnt?

Auf ein Wort

Komm vorbei

Auf ein Wort

Das wir uns teilen

Worauf genug

Platz ist für zwei

Das von oben betrachtet

Anders wirkt, wenn

Es vor unseren Füßen liegt

Ein Wort wie ein Weg

Vom Vorbei wo wir stehn

Zum Jetztfängtesan.

Komm auf ein Wort

Darauf ist es nicht

So eng wie man meinen mag

Steht man davor und blickt auf.

Komm vorbei

Ich steh drauf

Und warte.

Wie tief ich existiere

Meine Meinung
Meine Sätze
Die Fähigkeit zu Leben
gemessen
an den Worten
mit denen ich sagen kann
und werde, werde, werde
wie sehr ich liebe.
gemessen
an dem Schweigen
mit dem ich kann –
und auch nicht mehr bin –
wie tief ich existiere.

Ich gestehe

Ich gestehe: ich gehe in Antiquariate, Nicht etwa um zu kaufen. Zum Riechen. Ich tauche gerne durch den Geruch Der entsteht, wenn sich Staub Allmählich auf die Jahre legt Wenn leicht die Feuchtigkeit Jahrzehnte tränkt Hartes Sonnenlicht die Farben dämmt Durch Sütterlinlettern, Die kratzbeinig stehn, Längst tote Gedanken Majestätisch wieder auferstehn Durch Ölgemaltes Und Lederverschnürtes Erblick ich Hartholverziertes Worin ich träume, eines fernen Tags Quarthefte zu finden ...