Der Zwischenfall im Wald (6)

Wie ein Schock läuft? Ganz anders als man so denkt. In dem eigentlichen Augenblick, den „Auslöser“, kommt dir alles lupenrein und klar vor. Eigentlich läuft alles viel zu schnell vor deinen Augen ab. Du kommst gar nicht mehr hinterher damit, deine ganzen Eindrücke im selben Augenblick zu verstehen. Alles stürzt auf dich ein. Die fliegenden Kastanien. Die Treffer. Das Ausweichen, der Lauf um die Kurve. Der Anblick von Toni. Der schwere Ast, den sie über den Kopf hält. Wie er geschleudert ...

Der Zwischenfall im Wald (5)

Wo es vorher zwar anstrengend aber gemütlich zuging, war es jetzt nur noch anstrengend. Wir rannten was das Zeug hielt und in Gedanken malte ich mir aus, was ich tun würde, wenn ich Toni dabei über den Weg rennen würde. Sie hatte sich wirklich nicht verändert. Schon immer war ihr nie die Grenze klar, wo ein guter Streich aufhörte und der große Ärger begann. Als ich einen Seitenblick auf Silvy warf, las ich ihr in den Zügen ab, dass sie sich nicht weniger ärgerte. Sie glühte regelrecht. ...

Der Zwischenfall im Wald (4)

Unsere Schule nahm jedes Jahr an einem widerlichen Herbstrennen teil. Es war ein Lauf, der Mitten durch die angrenzenden Wälder verlief. Überall in den angrenzenden Ortschaften waren die Werbeschilder bereits aufgestellt. Der Slogan lautete: „Stock und Stein – Hals und Bein – Raus aus dem Haus, in den Wald hinein.“ Das war so unfassbar schlecht, dass kein Mensch sich so einen schlechten Spruch hätte ausdenken können, wenn es ihn nicht überall, weiß auf blauem Grund schon gegeben hätte. ...

Der Zwischenfall im Wald (2)

Seien wir ehrlich, Silvy war in mich verliebt und wir knutschten rum, als wir dreizehn waren. Wir „gingen miteinander“ – so nannte man das damals – aber wir hatten einen gewaltigen Streit darüber, dass ich mich weigerte, echten Journalismus zu machen. Ich hätte Talent, meinte sie und das sollte ich doch nutzen, über die wahren Dinge zu schreiben. (...) ...