Was aus Narben wächst (1) Karawane

  Antoine de Saint-Exupéry schrieb einmal „Das Wesentliche der Karawane aber entdeckst du, wenn sie sich abnutzt. Vergiss den eitlen Lärm der Worte und schau: Wenn der Abgrund ihrem Wege widersteht, umgeht sie den Abgrund; wenn der Fels sich erhebt, weicht sie ihm aus; wenn der Sand zu fein ist, sucht sie anderswo festen Sand, doch stets schlägt sie wieder die gleiche Richtung ein.“   Nachts waren alle Städte golden. Der Asphalt glitzerte, als ob Sterne eingepflastert wären. Leuchtreklamen ...

Es gibt Augen, die so traurig sind

Und doch nicht einmal sagen

Halt mich fest, ich werde blind,

häng an den Fäden meiner Narben

Und auf die bleiche Haut fällt

Schräg das grüne Licht

Während die Welt sich weiter dreht

Bewegst du dich einfach nicht

Es gibt Stimmen, die laut reden

Worum es geht, sagen sie nicht

Sie zeigen auf das grelle Leben

Du beschattest dein Gesicht

Und zwischen mir und dir

Verwachsen die kalte, graue Stadt

Zwischen dir und mir

Zu viele Leben finden statt

Truckstop (Symbol-Challenge)

Manchmal verändern sich die Zeiten, aber manchmal bist eben du es, der sich verändert und alles, was du siehst, hat plötzlich ein anderes Licht oder eine andere Farbe. Es ist sowieso immer alles eine Frage der Perspektive, oder nicht? Du kennst das bestimmt, wenn du gerade mies drauf bist, wirkt die Straße ganz anders als wenn du gut drauf bist. Der Truck, so sehr ich ihn mag, es gibt einfach Tage, da hab ich das Gefühl, dass das Fahrerhaus wirklich eine kleine Zelle ist und ich halte nichtmal ...

Das Dogma

So wie es aussieht

Ist es so wie ich es sehe

Ist was ich sehe die Regel

Im Allgemeinen

Verbirgt sich

Das „Meinen“

Hinter dem „All“.

So wie es vorkommt

Hervorgetreten aus der

Gemeinheit

Ist das Besondere

Besonders

Weil es mir vorkommt

Wie es ist.

„So wie es aussieht

So soll es sein“

Sonst könnt ja am Ende

Alles viel vielfältiger

Und ich viel

Blinder gar

Sein

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Auf ein Strandbild
So sieht Neid aus
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Auf den Blick
Von hier ins Paradies

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Und du kannst mich wieder
Reinziehen
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Gibt es nicht für
Für den andern Fensterblick

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Auf den Abend in der Strandbar
Nur weil grade keiner da war
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Gehn auf das Halbkreispanorama
ab 181 Grad wird es unerträglich lahmer

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waren gestern, heut geht mehr ab
denn ab
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nennt sich das Foto kaum noch Urlaub.

Heldenzeit

In der Sonntagszeitung, welche vor gar nicht so vielen Jahren sogar als ein souveränes Blatt angesehen worden war, ließ sich derzeit ein Artikel lesen von einem neunjährigen Jungen, der sich mit einem blauen Cape und einer blauen Maske verkleidet in der Nachbarschaft als Alltagsheld präsentierte. Dem Klischee entsprechend hatte er damit begonnen, am Straßenrand zu warten, ob er alten Frauen hinüber helfen könne. Dem folgte die Idee, an heißen Spätsommertagen kostenlos kühles Wasser den ...

Popsongs in meiner Stimme

Wenn ich so hier einfach nur an dich denke Und mir vorstelle, wie es wohl klänge, wenn meine Worte ganz Dmmdaduu wären nichts würd’ den Sound meiner Seele verfehlen Und ich wippe im Takt, betone 2, beton’ 4 Schlag mit dem Silbenring gegen die Hüfte von mir Wenn meine Worte ganz Dmmdaduu wären Ich glaub, du würdest - mich ganz genau hören. Dann singe ich laut von dem, was in mir klingt Dann singt jedes Wort von mir, singt und dringt Ganz tief durch den Tag, du ganz nah bei mir Und meine ...

Die postheroische Zeit (Essay)

  Im Radio wurde diskutiert. Und nichts lieber ist den Moderatoren in ihrer Diskussion, als wenn es um den Zustand im Land geht. Denn Zustände sind immer an bestimmten Ereignissen ablesbar, Ereignisse, die sie Symptome nennen und eifrigst interpretieren und von allen Seiten her auflösen, wie man auch einen Jahrhunderte alten Wald von allen Seiten her auflösen kann, um ihm schließlich auf den wertvollen und ach so schmutzigen Braunkohlegrund zu kommen. Man diskutierte in diesen Tagen viel ...

Briefe von Asraa

Erstes Bild   Vielleicht sollte er warten, bis sein Leben als Graphic Novel erschien. Das erste Bild dann nur in Brauntönen gehalten. Ocker. So wie das Cover von Cumbe von Marcelo D’Salete. Braun und Weiß. So ist das ganze Leben, nicht wahr? Als sie zum ersten Mal zu ihm aufgeblickt hatte und das Weiß ihrer Augen erst verriet, wie dunkel ihre Haut eigentlich war. Arabisch dunkel. So hatte sie es genannt. Ist mir egal, hatte er geantwortet. Deine Hautfarbe interessiert mich nicht. Warum ...

Der Wald

Setz dich zu mir hin, Baby, hier zu mir an diesen Baum hier träumte schon vor tausend Jahrn der Wald den großen Traum. Setz dich zu mir hin, Baby, leg deinen Kopf ruhig her hier brennt’s noch lange nicht, nein hier ist die Luft noch nicht zu schwer. Setz dich zu mir hin, Baby, und ruh dich mit mir aus. Die andern sollen schrei’n und tob’n Der Kampf holt sie schon aus dem Grünen raus. Setz dich zu mir hin, Baby, das letzte Stückchen Lebenswert dort vorne ist die Grenze aber hier ist’s ...