Das erste Date

„Was nimmst du?“, fragte sie. Und er fragte sich, ob es irgendwo eine alternative Dimension gab, in der er zuerst gefragt hatte. „Huhn.“, sagte er. „Bäh.“, meinte sie. „Bäh?“ „Wegen den Fingern.“ „Dann gibt es hier immer so ein Zitronentuch, das ...“ „Findest du nicht, dass Hühnchen immer irgendwie barbarisch aussieht, wenn man es isst. Man zerfetzt es mit den Fingern. Man pult im Fleisch.“ „Stimmt. Jetzt, wo du es sagst, ....“, ein entschuldigendes Lächeln. ...

Vom Dach

Es waren andere Zeiten. Wir hatten gerade einmal drei Ausländer in der Klasse. Der Eine war Italiener, der Zweite Grieche und erst der Dritte ein Moslem. Wir sagten „Türke“ zu ihm, weil wir alle keine Ahnung hatten, dass er eigentlich Kurde war. Und ihm war das auch genauso egal wie seinen Eltern. Man nannte sie „die Türken aus der Lingenfeldstraße“. Oder „die Türken aus der 17“. Manchmal auch „die Türken mit dem roten Passat“. Und dabei gab es in ganz Pilzbach keine zweite ...

Blues in Konjunktiv-Moll

Ich frage mich, ob du würdest.
Ich meine, wenn alles duweißtschonwie wär.
Ich frage mich, ob lächelnd du stürbest,
eines Tags, am Ende des längsten Tags.

Ich frage mich, ob du verstündest.
Ich meine, wenn alles duweißtschonwie wär.
Ich frage mich, ob du einsähst und spürtest
Eines Tags, am Ende des längsten Tags.

Komm zu mir zurück und wir reden darüber
Komm zurück, wir werden schon sehn.
Komm zurück und wir reden wie früher
Komm zurück, mal sehn, wo es hin führt.

 

Wenn ich mich auseinandersetze

Mit dir

Ich jedes Teil auseinandersetze

Von mir

Und am Ende immer noch ein Teil fehlt

Wir setzen uns wild aneinander

Fügen uns zum neuen Chaos beinander

Werden ein Teilchengestöber

Vorzüglicher Güte

Wenn dann ein Teil fehlt

Von uns

Teilen wir uns die Lücke

Wir zwei

Und setzen uns nicht mit der Suche

Auseinander

Sondern mit uns

Dem Teil aus Teilen

Dem Einen aus Zwei

Ungefähr

Du kamst von ungefähr Und lagst ungefähr mit mir In einem ungefähren Park Ungefähr nicht weit von hier Ungefähr woanders Ist die ungefähre Stadt Ungefähr am durchdreh’n Alle sind ungefähr wie satt Ungefähr wir beide Können ungefährlich sein Ungefähr wir beide Sind ungefährlich klein Wir hör’n das ungefähre Atmen Einer ungefähren Welt Ein ungefähres Leben Das nur ungefähr gefällt Halt dich ungefähr an mir fest Ungefähr so fühlt es sich an Wenn man ungefähr nicht mehr Ungefähr ...

Sonntag

Lass dir mit mir

Den letzten Rest Sonntag

Auf der Zunge zergehn

Lass uns wie Wolkenschatten

Ganz gemächlich

Übers Leben drüber ziehn

Lass uns gemeinsam

Den Abendglanz genießen

Lass mich nicht allein

Die Sonnenblumen gießen.

Auf ein Wort

Komm vorbei

Auf ein Wort

Das wir uns teilen

Worauf genug

Platz ist für zwei

Das von oben betrachtet

Anders wirkt, wenn

Es vor unseren Füßen liegt

Ein Wort wie ein Weg

Vom Vorbei wo wir stehn

Zum Jetztfängtesan.

Komm auf ein Wort

Darauf ist es nicht

So eng wie man meinen mag

Steht man davor und blickt auf.

Komm vorbei

Ich steh drauf

Und warte.

Ich gestehe

Ich gestehe: ich gehe in Antiquariate, Nicht etwa um zu kaufen. Zum Riechen. Ich tauche gerne durch den Geruch Der entsteht, wenn sich Staub Allmählich auf die Jahre legt Wenn leicht die Feuchtigkeit Jahrzehnte tränkt Hartes Sonnenlicht die Farben dämmt Durch Sütterlinlettern, Die kratzbeinig stehn, Längst tote Gedanken Majestätisch wieder auferstehn Durch Ölgemaltes Und Lederverschnürtes Erblick ich Hartholverziertes Worin ich träume, eines fernen Tags Quarthefte zu finden ...

Die Tage des Eisvogels

Stumm wie ein Abend, der über uns niedergleitet, So sanft und gefällig aus dünnstem Geflecht Leicht zu zerreißen mit flüsternder Stimm nur Ein letztes Mal urteilt die Welt gerecht, Wenn um den Körper sie legt die glänzende Gischt So gnädig umschmeichelt das Meer seinen Leib Leicht zu erinnern, schwer zu vergessen Die Winde flüstern im Traum das Wort „Bleib!“ Doch die Klippen stehn absprungbereit Doch die Klippen deuten scharfkantig auf Sturm Und die Lippen beben vor Angst vor der Zeit Hoch ...

Stilles Glück mit meinem Sohn

Wir sitzen auf der alten Brücke
Werfen Steine in den Bach
Deine kleinen Beine schuckeln
Der Wald wird langsam wach

Der Morgenwind gesellt sich her
Bläht einen Blühtenschirmchenschwarm
Legt über uns den Himmelsatemflair
legst dein Köpfchen an meinen Arm

Lass uns blau den Himmel
Über uns hin ziehen
Lass uns der Welt ihr Sommerzimmer
Glücklich heut beziehen

Du und ich und diese eine Sekunde
Dieses eine Tiefgefällt
Deine Träume zeichnen bunte
Kritzelstriche um uns in die Welt