Maschinen

Die Maschinen im Innern defekt Zu Reparieren mit silbernen Händen gelingt es. Die Arme nach links und nach rechts erhobene Hände die Handflächen zum Himmel gerichtet Um Punkt Vier bluten sie Rost gequälte Getriebe Seele, erhebe dich! Steh' auf von den Toten! Steh auf aus dem ewigen Trümmerschlaf versteck' dich im Lichte der ölschwarzen Nächte Industrieschornsteine wie Kirchtürme dampfende Zähne der Zeit aus dem Stadtbild gereckt Die Maschinen im Innern defekt und keine Bewegung für ...

Petrarca (iii)

Wärst du aus Stein, marmorn so weiß, so kühl und rein ein Ebenbild von Tugend, Fleiß und Herrlichkeit, Ein anmutsvolles Bild, begehrt von nah und weit So trüg ich dich zu mir, so wärst du ewig mein. Wärst du ein Traum nur, wild in ruhiger Nacht durchlebt Sirenenhaft die Stimm’, die heiß die Herzensbrust durchwühlt Obgleich die Atemlust mir eisig eingeschnürt Ein ahnungsvolles Hauchen, das durch meine Seele weht, die Liebe wär’s, die Schönheit, ewig Glückes Leid so hätt ich dich, ...

Ein Like bitte, dass ich mich besser fühle – wär nett: Clickbait Deluxe

Ein Like für das Lieben Und den ewigen Frieden Ein Like gegen Kinderehen Zeig: ich will dagegen aufstehen! Ein Tweet gegen sexuelle Gewalt alle gemeinsam: bieten wir Einhalt Setzt Zeichen: black n white! Unite! Ruft von Internetdächern: Jetzt ist die Zeit! Gegen Autokraten, Nach Terroranschlägen Schwarze Profilbilderfolien sollen das Internet prägen Macht mit beim Verteilen von Dokumenten Die die Aufmerksamkeit auf den Schrecken sterbender Kinder bei Flüchtlingstsunamis lenken Erhebt ...

Wovon ich träume

Ich träum vom Geräusch Lautloser Kriegsmaschinen Weil ich weiß, dass Krieg heute stumm ist. Und überall unsichtbare Soldaten: Krieg, von dem alle reden. Ich träum vom Geruch Der Rauchsäulen der Himmelskuppeln, Die den Horizont säumen Wie Grenzwächter mit schwarzen Gewehren. Weil jeder weiß, dass Krieg heute unsichtbar ist, Gespielt hinter den Kulissen. Von morallosen Spielern Mit dem ältesten Einsatz der Welt: Das Blut der Anderen. Ich träum von den Wünschen, Aus denen Kriege geboren ...

Petrarca (ii)

Was muss ein Kuss von deinen Lippen sein, oh Kind, Der sich von deinem rotbesetzten Herzensgrund Über den meinen gießt, von Mund zu Mund. Vergib, dass Küsse nur Sekunden sind. Was muss ein Kuss aus deinen Augen sein, oh Kind, wenn sich die Lider gleich der Nacht über die Welt über das Augenrund versenken, dennoch erhellt sich gleich darauf der leidenschaften Treiben blind. Ich steh auf wankenden Gestaden Derweil ich hoff’ auf einen Augen Blick Von Hoffnung durch die Nacht getragen Dass ...

Nighthawk

Behandel deine Wunden mit Respekt
sie prägen dein Gesicht.

Pfleg deine Narben mit der Zuversicht,
dass sie unvergessliche Landmarken sind,

Zwischenstationen
auf dem endlosen Weg

Frag deine Geister um Rat
sie haben deine Fehler schon einmal gemacht

Und leg deine Sünden auf Eis
gieß Whiskey drüber und tu jeden

gottverdammten Fehler noch einmal:
Deines Herzstolzes zu Liebe.

Irgendwo zwischen Aleppo und Idlib

Der durstige Mann beugt sich vor entlässt den Sand aus der Kehle. Sie frösteln heimlich Nachts und im Keller Die Türen versperrt Sand in den Scharnieren. Kind, das in Milch liegt gegorene Haut voller Risse wie Landkarten mit Markierungen: Jedes Kreuz in den Handflächen ein falscher Schritt auf der Hauptstraße zwischen Schule und dem alten Mann, der früher die Katzen mit Sahne durchbrachte durch knochentrockene Zeiten. Heute baden sie noch in Seen aus rotem Licht wo seelenlos Morgen Land aus ...

DeltaBlues

Willkommen im Delta
Mit den Füßen im Dreck
Willkommen im Delta
Am Deutschen Eck.

Die Teufel der Mosel
Kennen mich und dich
Die Teufel der Mosel
Vergessen uns nicht.

Wasser in der Kehle
Die Strömung am Bein
Wasser in der Kehle
Und die Kälte zieht über den Rhein

Du hast mich zurück gebracht
In dieses miese Spiel
Du hast mich zurück gebracht
Wir wollten von allem zu viel.

Die Flut überm Kragen
Der Himmel so nah
Die Flut überm Kragen
Das Wasser ist da.

 

Der Rotherbst liegt über St. Johann

Der Rotherbst liegt über St. Johann Vor letzten Cafés sitzen letzte Männer vor letzten Bieren Und schauen über den Samstagmorgen hinweg In die rotwangigen Passanten hinein. Unter deren Füßen kleben die Blätter Von alten Spielkarten mit Bild nach oben, frisch Von den Bäumen geweht und knisternd Treibt von jenseits der Häuserwand Saarwind herbei. Ich erinner’ mich, als ich einmal hier gesessen Traumverloren den Wolken beim Austeilen der Karten zugeschaut Auf den Lippen der letzte Geschmack ...