Des Glückes Blütenzauber

Das Glück treibt Blüten
Sanft schmiegt es sich an
Wie ein Schatten auf
Weißen Küchenwänden,
der aussieht wie ein Land.

Schlicht taumeln die Sonaten
Durchs frühe Morgenlicht
Als trügen sie der
Botschaft das Geleit,
Was dieser Tag verspricht.

Stumm knospt es, öffnet zart
Der Stundenschlag die Blüten
Allmählich und ganz zart
Wächst durch das Atmen
der Sekunden unsres Glückes
das Blumenkleid des Tags.

Das erste Date

„Was nimmst du?“, fragte sie. Und er fragte sich, ob es irgendwo eine alternative Dimension gab, in der er zuerst gefragt hatte. „Huhn.“, sagte er. „Bäh.“, meinte sie. „Bäh?“ „Wegen den Fingern.“ „Dann gibt es hier immer so ein Zitronentuch, das ...“ „Findest du nicht, dass Hühnchen immer irgendwie barbarisch aussieht, wenn man es isst. Man zerfetzt es mit den Fingern. Man pult im Fleisch.“ „Stimmt. Jetzt, wo du es sagst, ....“, ein entschuldigendes Lächeln. ...

Romanideen, die es leider nicht vom Kopf zum Papier gebracht haben

(1) Das Ende von Zeit ist Ewigkeit Nach dem Studium zieht es den Protagonisten nach Irland, wo er sich in Tilly Leary verliebt und deren autistischer Bruder das Langsamerwerden der Zeit spüren kann. Ein Sturm hält die drei Personen in einem alten Bauernhaus gefangen und der Protagonist muss lernen, welche Kraft am Ende aller Zeit gebündelt wird, ehe das komplette Universum in einer Sekunde zum absoluten Stillstand erstarrt. (2) in allen Sprachen lässt sich alles sagen Endres ist Journalist. ...

Vom Dach

Es waren andere Zeiten. Wir hatten gerade einmal drei Ausländer in der Klasse. Der Eine war Italiener, der Zweite Grieche und erst der Dritte ein Moslem. Wir sagten „Türke“ zu ihm, weil wir alle keine Ahnung hatten, dass er eigentlich Kurde war. Und ihm war das auch genauso egal wie seinen Eltern. Man nannte sie „die Türken aus der Lingenfeldstraße“. Oder „die Türken aus der 17“. Manchmal auch „die Türken mit dem roten Passat“. Und dabei gab es in ganz Pilzbach keine zweite ...

Ratschläge an Lea S.

Schreib dein Leben in Schwarzweiß
Leb deinen Namen als Kontur
Zieh die Konturn in einem Strich
Und kolorier dir nur
Die Hintergrundschraffur.

Du wirst ein Wort aus einer Silbe
Mit nur einem Atemzug gehaucht
Eins für das es lohnt zu schweigen
Du wirst ein Sound
Im Eigentlichnurgeträumt

Sing dir deine eigenen Balladen
Mit einem Schlussakkord in Dur
Sing dir das Schlaflied nur am Abend
Und vergiss
Den Refrain aus purem Gold

Und alles wird besser
Und alles wird gut
Alles wieder gut.

Blues in Konjunktiv-Moll

Ich frage mich, ob du würdest.
Ich meine, wenn alles duweißtschonwie wär.
Ich frage mich, ob lächelnd du stürbest,
eines Tags, am Ende des längsten Tags.

Ich frage mich, ob du verstündest.
Ich meine, wenn alles duweißtschonwie wär.
Ich frage mich, ob du einsähst und spürtest
Eines Tags, am Ende des längsten Tags.

Komm zu mir zurück und wir reden darüber
Komm zurück, wir werden schon sehn.
Komm zurück und wir reden wie früher
Komm zurück, mal sehn, wo es hin führt.

 

Wenn ich mich auseinandersetze

Mit dir

Ich jedes Teil auseinandersetze

Von mir

Und am Ende immer noch ein Teil fehlt

Wir setzen uns wild aneinander

Fügen uns zum neuen Chaos beinander

Werden ein Teilchengestöber

Vorzüglicher Güte

Wenn dann ein Teil fehlt

Von uns

Teilen wir uns die Lücke

Wir zwei

Und setzen uns nicht mit der Suche

Auseinander

Sondern mit uns

Dem Teil aus Teilen

Dem Einen aus Zwei

Ungefähr

Du kamst von ungefähr Und lagst ungefähr mit mir In einem ungefähren Park Ungefähr nicht weit von hier Ungefähr woanders Ist die ungefähre Stadt Ungefähr am durchdreh’n Alle sind ungefähr wie satt Ungefähr wir beide Können ungefährlich sein Ungefähr wir beide Sind ungefährlich klein Wir hör’n das ungefähre Atmen Einer ungefähren Welt Ein ungefähres Leben Das nur ungefähr gefällt Halt dich ungefähr an mir fest Ungefähr so fühlt es sich an Wenn man ungefähr nicht mehr Ungefähr ...

So ein Mensch

So ein Mensch, der gelebt hat, Im Sterben aber gegen den losen Stein eines Damms fällt, Dessen Tod dann die Flut bringt, Und nunmehr nun nicht mehr Als ein Anstoß geworden ist: So einer ist in den Augen Der Welle kein Mensch mehr. Auf den Straßen der Republik: Wölfe Mit blutleerem Blick. So ein Mensch, den man brüllend Durch ein Land trägt, mit nichts Als Angst und Hass und Stolz Dessen Tod lauter klingt als sein Name, dessen Biografie Wertloser wurde als seine Beerdigung, so ...

Schülerlotse und Verantwortung

"Früher hat es noch Schülerlotsen gegeben." "Früher haben sich Leute aus der Umgebung dafür bestimmt freiwillig gemeldet. Ich meine, ist ja kein Beruf sowas, oder?" "Waren andere Zeiten. Hat ja keiner mehr Zeit für an der Straße rumstehen und den Autos winken." "..." "Nein, im Ernst: hat keiner mehr Zeit." "Ich frag mich, ob es die Zeit ist oder, dass man dafür Verantwortung für andere übernehmen muss." "Die Leute, die immer sagen: "ich würd's ja machen, aber!" "Und Recht haben sie, ...