Ruhrgebiet 2019

Das Ruhrmuseum in Essen behauptet, die Menschen im Ruhrpott haben sich immer mit dem Prädikat der Männlichkeit selbstinterpretiert. Hier sei das Malochen wesentlicher Bestandteil der Selbstinszenierung, der Selbsterfüllung, vielleicht sogar des ganzen Selbstes. Fußball, Mantas, Reihenhausromantik, Straßenkinder, Trinkhallen, Industriecharme, Ruß statt Rouge. Und alles läge zerbrochen und im Wandel einbegriffen. Der Mann ist deutschlandweit nicht mehr das, was er einmal war. Männlich nicht ...

Die postheroische Zeit (Essay)

  Im Radio wurde diskutiert. Und nichts lieber ist den Moderatoren in ihrer Diskussion, als wenn es um den Zustand im Land geht. Denn Zustände sind immer an bestimmten Ereignissen ablesbar, Ereignisse, die sie Symptome nennen und eifrigst interpretieren und von allen Seiten her auflösen, wie man auch einen Jahrhunderte alten Wald von allen Seiten her auflösen kann, um ihm schließlich auf den wertvollen und ach so schmutzigen Braunkohlegrund zu kommen. Man diskutierte in diesen Tagen viel ...

Heldentypen – Essay

Die Formel der Antike lautet: Er weiß es nicht, obwohl er es tut. Die Formel der Moderne, siehe Hamlet, lautet: Er weiß es, deswegen kann er es nicht tun. Und dann gerieten wir in die Spätmoderne, und da weiß er genau, was er tut und tut es trotzdem. Und dieses Bild der Geschichte und dieses Bild eines Helden sind wir müde geworden. Für die Darstellung dieses Helden gibt es ja nur den Weg des Zynismus und den eines tragischen Bewusstseins. Zynismus macht nur Zynikern spaß, also Hunden. ...