Fühle

Der Himmel in makelloser Weite Du weißt, wie ich mich fühle Die Konturen der halben Welt Auf den Staub eines Hinterkopfs gezeichnet Mit schwacher Fingerspitze Du weißt, wie ich mich fühle Die Schatten, die an uns kleben Du weißt, wie ich mich fühle In den schwarzen Schattentaschen Haben wir das Reisegeld Zerknüllte Scheine Selbstbemalt mit dem Dreck, Der im Blut war Du weißt, wie ich mich fühle Kaum gerade stehen Der letzte Anstand an den Nächsten Hält uns aufrecht Du ...

Die düstere Fahrt der Aquarius

Das derzeitige Schicksal der "Aquarius" hat mich heute Morgen heftig ergriffen. Es war dieses Interview mit dem DLF, das alles ins Rollen gebracht hat. Humanitäre Hilfsorganisationen übernehmen derzeit die "Aufräumarbeiten", wenn man so will, für die Regierungen. In der Diskussion wird die Zahl der Flüchtlinge genannt, es wird von Herausforderungen geredet, von Problemen. Tatsächlich reden wir aber über Menschen und Einzelschicksale. Wir reden über Menschen, die so verzweifelt sind, dass ...

Ein Titel Hetzjagd

Ein Titel Hetzjagd Dem Mädchen ein Stein Fass es an Bluten werden die Schuldigen Am Grab ihres Opfers Göttliches Urteil Schuldblut so kalt wie Druckerschwärze Schuldblut so rein wie Titelseiten Dem Mädchen ein Atemschrei Dem Mädchen ein Gnadenstern Der ihr die letzte Stunde Erinnerung Aus der im Brustkorb schlummernden Seele streicht Keine Seele hat verdient Mit dieser letzten Stunde zu warten Auf die und in der sternlosen Ewigkeit Ein Titel Für eine Hetzjagd Zur Sühne Homo Sacer! Der letzte ...

Die Stadt träumt von der Stille

Die Welt träumt wieder
Wieder ist Deutschland ein Phantom
Europa zerreißt es wieder
Wieder Sturmzeichen
Die vom Horizont drohn

Die Welt, sie träumt vom Fliegen
Europa wachsen aber keine Flügel
Es treiben gefährliche Wurzeln
Lockernd die Lockungen
Durch Alles tragende Hügel

Die Stadt träumt von der Stille
Unter jedem Schritt rumorts
Es treiben tektonische Wellen
Auseinander ein jedes Wort

Bolaffi angelo

„Fliegenschiss“

Eine vollkommen ahistorische Fliege, gar von jener sowohl eintägig als auch bremsenden Art, entledigte ihre ebenso ahistorischen Fäkalien kurzerhand und gedankenlos auf einem kleinkarierten Sakko. Da sie von nur unbedeutender Art ihr Dasein fristete, hegte sie kaum Interesse an den Worten, welche aus unmittelbarer Nähe an sie gerichtet waren. Es interessierte sie recht wenig, nun landweit als Nazi diffamiert worden zu sein. Statt dessen verließ sie das gar laut röhrende Zentrum, derer sie sich ...

Letzte Sendung

Berlin sagt letzte Meldung Leben Sie wohl - es war uns eine Ehre Das Gesicht ist bleich Die Augen flackern kurz Dann ganz starr und fest Die Augen sagen: halten Sie durch, Kämpft, bleibt stark Vor allem: bleibt! Die Hände liegen flach auf dem Pult Kein Zittern Keine Angst, kein Zorn, Keine Emotion Perfekter Journalismus Der sagt: leben Sie wohl Keine Ratschläge Keine Verweise Außer die rückwändige Einblendung: Die Letzten auf Sendung Europa schweigt Erschreckender: keine ...

Das hohe Gras

Es kamen alle zusammen Folgten der Werbung Heut könnte der Himmel endlich Über aller Köpfe Platzen Es strahlten Leuchtreklamen Von Raketen gezeichnet Ins Nächtliche wie heilige Sterne Oh kommet ihr Hirten im Mai Es begrüßten die Salven Die menschliche Menge Ein jedes geschossene Wort Traf feierlich mittig ins Herz Es war erhaben die Stimmung Höret die Botschaft des Herrn Ist eingezogen ins heilige Land aller Welt, er spannt das Firmament Das hohe Gras überzeichnet die Spuren Das Salz ...

Burlesque

Allen Maskenträgern, allen Bühnengängern, Allen Zwischen- und Halbwesen, Allen wahren und echten Menschen Homosexuellen, Transsexuellen,  allen Mutigen und allen True-Nature allen Besonderen und Wertvollen allem Bunten und allem Lebenden und auch: allen Grotesken, Burlesken und Absurden allen, die wissen, was Ungerechtigkeiten gegen das selbstbestimmte Leben sind. ...

Erster Mai, Wanderung ins Tal der Klischees

Es gibt Besuche, die sind mir so lieb, dass ich mich sogar mit größter Migräne aus der schützenden Dunkelheit des Schlafzimmers quäle. Bemüht langsam bewege ich mich und versichere mich alle paar Schritte, dass mein Kopf noch gerade sitzt. Es fühlt sich so an, als wäre mein Gehirn schmerzhaft zusammengetrocknet worden, dass es jetzt haltlos immer wieder gegen die Schädelwände prallt, wenn die Bewegung zu heftig wird. Aber ich bleibe tapfer und bereite das Essen vor, quäle mich mit Sonnenbrille ...