Marie Mallarmé – Kapitel 1 (1)

(...) Atome wechselten ihre Plätze, Moleküle setzten sich nicht mehr richtig aneinander. In dem großen, schwarzen Nebel, der durch die Haustür ins Innere drang und alles umschloss, inklusive Marie Mallarmé, wurde erst alles eins und dann – huschhusch – legte sich alles inmitten von Sturm und Chaos wieder aneinander, bis alles wieder so aussah wie zuvor. Aber nur, so dachte Marie Mallarmé sofort, nur weil wir die Fehler auf molekularer Ebene nicht sehen können. Unsere Augen und unsere Köpfe sind zu groß um zu sehen, was sich alles da unten im Kleinen verändert hatte. (...) ...

Das Unbequeme – Essay

Die unbequemsten Menschen sind die, welche zum Zweck zu schlecht und zu[m] Mittel zu dumm sind. (Sophie Mereau-Brentano)   Meiner Erfahrung nach ist die Unterscheidung zwischen Zweck und Mittel nicht mehr so leicht zu verstehen. Man muss es mit dem Sprichwort erklären, eine Sache geschehe als „Mittel zum Zweck“. Ein Zweck ist ein Ziel. Und wenn Kant sagt, man darf nie einen Menschen als Mittel verwenden, stets immer nur als Zweck, dann bedeutet das: Jedes Handeln soll auf das Ziel „Mensch“ ...

Die Wissenskrise – Essay

Rein deskriptiv: die Flut an Wissen macht nicht klüger sondern dümmer. Die Zensur macht stiller, aber zorniger. So war es früher. Heute entsteht eine durch Algorithmen geschaffene Äquivalenz zur Zensur. Die Masseninformation unterdrückt die wahrhafte Einzelinformation. Das überfordert und macht stumm. Der Zorn, der entsteht wird durch die Algorithmitisierung der Informationsportale exponenziell gesteigert: Die Presse generiert längst keine Informationsblätter mehr, sie generiert Leser, ...

Alte Würde rostet nicht

Die beiden Mädchen setzten sich als die Bahn losfuhr ganz nach hinten. Aber nicht auf die letzte Sitzreihe der Bahn, sondern darüber, auf diese kleine, gelbweisse Ablage, die Rücken gegen die weitflächige Rückscheibe gelehnt. Die Strassenbahn ruckte auf die Kurve zu und die Ausfahrt aus dem Haltestellenschacht. Lustig blinzelten sie mir zu, die eine strich sich zittrig durch das schüttre, silbrige Haar. Die andre schickte einen luftigen Kuss von der spinnenbeindünnen Hand, der uns am Bahnsteig ...

Die Kinder von Hameln (2017 – revisited – urbietorbi)

Ich seh in den Augen der Kinder: Diese Tage sind schwarz und schwer Wie die Regenasche auf toten Städten Wie Ascheregen zwischen zwei Sekundenschritten. Ich seh in den Augen der Kinder: Diese Tage sind endlos und zäh Wie von Hungerschwämmen verwischt Wie von Schwemmfluten radierte Horizontwege In den Augen der Kinder Spiegeln Straßen sich weit ins Irgendwoirgendwann Diese Tage sind verschoben und jäh Ich seh: Straßen, die ausweglos sind Augen der Kinder Die offen bleiben Während andernorts Man ...