Einem geliebten Menschen

Man trägt sie
zu ihren Booten
und lässt sie abwärts treiben.
Die blassen Gesichter
zucken und lächeln
im Schein der Kerzen,
die flussabwärts
bereits entgegen der Strömung
ihnen zu Ehren treiben.
Weinende Kinder;
die Toten verlassen die Stadt.

Midas

Dein Auge beherrscht mich Vergib mir das Feuer Alles, was ich berühre ist Asche, wird Staub Es erklimmen Schmerzen das Herz; unter dem Fleisch ist es kalt Bis dein Blick sich auf mich und er mich richtet Dein Auge regiert über bleierne Tempel, über ein Volk, das im Blut lebt, ein Volk in der Haut, über vergessene Länder über denen die Hand schwebt regierst über Ort über Zeit Was ich bin, was ich war, was ich werde Regierst über Hoffnung Regierst über mich Dein Auge beherrscht mich vergib ...

Die Hündinnen

Die Hündinnen
auf dem Weg über die Mauersteine
ihnen klebt Mondlicht in den Fellen
sie marschieren
heim

Gestürzte Laternen
in ihren Augen und die Straße
mit all ihren Häusern upside-down
Geht dieser Trupp auf hängender Welt
über Schluchtenhimmel

An den Enden
laufen alle Linien zusammen
Hinter jeder Hündin eine Schwester
Unter jeder Pfote ein Stein

 

4 – Festspiele

Die ganze Stadt brennt vor Eifer. Ein ununterbrochener Fackelzug trieb durch die Straßen. Fahnen wehten aus allen Fenstern. Ein ständiger Menschenstrom, der die Hauptstraßen hinaufzog, so dass Martin meinte: „Sie ziehen wie die willenlosen Tiere den Berg hinauf. Weißt du, was ein Fest ist, Sokrates? Eine Gelegenheit zur Schlemmerei! Das ist ein widerliches Menschsein, da unten. Man hat geradewegs Lust dazuzugehören. Lust! Hörst du! Wir stehen hier oben und während du nicht fertig wirst, ...

Traumgesichter

Zahlreich die Gesichter
und jedes: Du.
jedes ein Spiegel
in den Träumen lächeln sie
augenlos
treiben stumm kreischend über der Zeit
auf ein Feld zu,
dort baut sich die Ewigkeit selbst,
ganz erhaben und fruchtbar.

Jedes Gesicht sieht dir ähnlich
spricht mit deiner Stimme
mir zu
– während gebaut wird –
es sprechen Vergebung, Leben und Sehnsucht
und dann einen Namen
der fern von der Menschlichkeit klingt
vom Wind erlöst wird

Lass uns schweigen.
Lass uns atmen.
Lass uns.

Brandschutz

Es war einmal ein kleiner Mann Der tat sich groß, der macht sich breit Ruft laut und glaubt, er wär gescheit, Und folgt den andern Kleinen dann. Wenn was auf Transparenten steht, und’s gar sehr laut von statten geht, dann steht man an dem rechten Platz Und merkt sich brav den rechten Satz. Und überall ist man voll Sorg, Arm in Arm, ein tröstend Wort, ein wenig Alkohol im Spiel, doch nur zum Geifern, nicht zuviel. Wenn dann Plakate hochgestreckt Worauf auch Schimpfwörtchen versteckt, wenn ...

Noire _ eine Vernichtung

Noire und du wirst ein Gefühl sein wirst ein Teil sein, eine Nacht wie ein Schimmer ein Blick ohne Augen durch all die Wände hindurch Noire Du wirst mein sein und du wirst bereit sein bereit um zu tanzen im sanften Gelbschimmer wo ich dir singe zwischen all den Träumen zwischen all den Gedanken und dein Gesicht wird ein Bild sein in eimem See eingefangen zwischen Boden und Grund ein Gedanke - verschwendet sein weil du nicht ausgesprochen wurdest weil du nicht mal Wort bist. Noire noch ist Zeit bis ...

Die Pendlerin

Du hast deinen träumenden Ausdruck Im Bett kurz vor dem Aufstehen Liegen lassen und eilst nun Mit hastenden Schritten Zu dem Zug, der dich Fort bringt: Zu dem Zug, der nach draußen fährt Aus deinen Adern hinaus Hinter die Stadt. Bald blickst du aus dem Fenster In die Häuser und auf die Gassen Und erinnerst dich nicht mehr An den Teil von dir, der auch einmal das war, was du gerade siehst. Aber du fühlst es, sonst würdest du nicht – und winken sonst würdest du – und denken Adieu Und kämst ...

Es reicht ein Streichholz

Es reicht ein Streichholz
in diesen trockenen Zeiten
Um ein reichliches Feuer
Vom Kopf in die Weiten
Springen zu lassen.

Hach, sieh wie die Funken sprüh’n
Meinungen aus konstantem Verglüh’n
Handlungen aus konstantem Zorn
Die Dämmerung, wieder sichtbar von vorn.