Am anderen Ende der Straße

Am anderen Ende der Straße Steht ein namenloses Haus. Am anderen Ende der Straße Sehen die Hunde räudiger aus. Am anderen Ende der Straße Wird die Straße nie fertig gebaut Am anderen Ende der Straße Wird an Fleisch statt an Götter geglaubt. Am anderen Ende der Straße Laternen mit nikotingelbem Licht Am anderen Ende der Straße Nennt Jim seine Faust „das Letzte Gericht“. Am anderen Ende der Straße Wo seit Tagen eine Warnleuchte blinkt Am anderen Ende der Straße Sind Frauen wie Motten ...

Sommerstadtsymphonie

Von einem Tag zum andernVon einem guten Freund zu dirUnd mit diesem Soundtrack kommt manGarantiert nicht weit von hier.Alle Fenster sind geöffnetIn dieser heißen StadtUnd die Männer in UnterhemdenSchauen nach, was die Welt verbrochen hat.Da steht ein Radio am Fenster, das spielt meine MelodieDa tanzt man gerne auf den Bänken, eine spontane ChoreografieWie wär’s, wenn wir uns heut verleben, heute oder nie?Wie wär’s, wenn wir heut Abend reden: über die ...

Das nicht kitschige Liebesgedicht?

Das Gedicht von mir, das am ehesten nicht kitschig über Liebe spricht, sollte eigentlich gar nicht von Liebe handeln. Es ging um die Frage, warum mir eine bestimmte Stadt in Deutschland überhaupt nicht gefällt. Und nach unzähligen Antworten, die ich schon gegeben hatte, kam irgendwann: die Stadt gefällt mir nicht, weil ich nicht das Gefühl habe, dass man hier jemandem romantisch begegnen kann.  Alles ist so einfallslos und lieblos, dass Romantik hier nur um Konjunktiv, im "was wäre wenn" ...

Delphi

Betrittst du das Orakel von Delphi, steht über der Tür, du sollst dich selber erkennen.
Über dem Hinterausgang, ganz kleinmütig aufgehängt, steht: " Verlasse das Orakel so, wie du es vorgefunden hast."

Das nicht kitschige Liebesgedicht

Über Die Facebookseite kam die Frage, ob auf der Bühne des Odeon-Theaters ein Liebesgedicht vorgetragen wurde, das nicht kitschig, aber ehrlich, das romantisch, aber nicht schnulzig, die Beziehung ernstnehmend, echt und trotzdem modern und aktuell und nicht zeitlos daherkommt.So viele Ansprüche auf einmal!Gibt es das? Geht sowas denn überhaupt: ein nicht kitschiges Liebesgedicht? Oder sind gerade beim Thema Liebe nicht längst alle Worte bereits gewählt?Die Tage mehr... ...

Die Wölfe der Arai

Die Wölfe der Arai überwintern in den ausgehöhlten Leibern toter Schneeelefanten. In den Kadavern lässt sich die Wärme gut speichern. Von außen tarnt das weiße Fell der monströsen Tiere die Wölfe. Außerdem verbergen die Kadaver sehr effektiv den lebendigen Geruch der Wölfe. Ihre natürlichen Feinde, die Nacktbären zum Beispiel, wittern und meiden das tote Fleisch. In den Schneeweiten des Araigebirges leben zu wenig Aasfresser, als dass die Winter für die Wölfe eine gefährliche Zeit ...

Nike

Spielt mit dem Finger am Glasrand Lässt, indem sie den Kopf bewegt Lichtflecke im Whisky tanzen Und hält sich wacker am Thekenstand Und wenn die Jukebox spielt Singt Nike, es hat keinen Sinn Es kommt wie es will Im Spiegel den eigenen Kopf nicht seh’n das Nachtlicht verkürzt keinen Heimweg allenthalben spotten Sterne und Mond aber wer will schon am Ufer steh’n? Mit den Füßen schon zu tief im Meer Irgendwo draußen läuten die Bojen Andernorts spielt man Gitarre Und gar nicht so weit: ...

Vater McKenzie

In seiner sauberen Handschrift berühren alle äußeren Buchstaben die Ränder der Blätter und oben und unten: ein schwarzer Strich. Vom Fenster, das zum Rosenbusch zeigt, Ist ein einzelnes Quadrat blind Auf dem Fensterbrett stehen sie noch: Zwei Porzellanjungs, die angeln. Im verstaubten Buchregal Steht Kierkegaard mit zerfleddertem Einband Fest und streng an den Herrn der Fliegen gepresst Ein muffiger Dunst konserviert in den Seiten. Durch den windschiefen Eingang Blickt man auf den gigantischen ...

Sound verändert die Welt

Kommt aus meinen Kopfhörern ein Lovesong raus, schon siehst du ganz anders aus. Ich seh dich da stehn Wie vom Leben geprügelt doch kaum klingt „Daniela Andrade“ bekommst du Flügel und, was niemand sonst sieht, deine Augen beginnen zu glühen du fängst an, ein geheimes Licht zu versprühen Bist ein Wesen von einem Irgendwo Drüben Auch wenn ich nicht weiß, aus welcher Ecke dieser Welt es dich hier hergetrieben hat ich will auch mal dorthin, hab das Profane hier satt ich will, dass du mich ...

Nocturn (Triptychon)

I. 19:00 Uhr Einmal bleibe ich Mit meinem Blick fest auf dich gerichtet. Einmal geh ich nicht Wieder fort und lasse mich selbstvernichtet zurück. Einmal glaube ich Nicht an Gott, an uns. Und wenn die Zeit Noch tickt Wer weiß ...!? II. 23:10 Uhr Im Rausch Der Sinne dem Traum Ergeben! Im Rausch, Blut gezählt und vergeben, Das Ich im Exil Im Fluchtwagen Im Rausch Sinnenumwölbt Sirenenumzuckt Dein sichelförmiger Leib Biegt sich, es hebt Der Wind an den Pfeilern der Welt, die für immer in ...