Was sie Liebe nennen

Sie nennen's Liebe
Und es ist Schmerz.
Sie predigen Lüge,
Ein wahrer Scherz.

Sie treiben Pfeiler
Zwischen uns
Und rufen: Heiler
Wir kenn'n uns aus!

Erzählt mir nichts von
Moral und Leben,
Von Kraft und Mut!
Schweigt mir vom Reden!

Sie sind die Klingen
Dieser Welt
Über die du springst
Wenn du fällst!

Herr, lass es regnen!
Am besten Blut.
Herr, lass es regnen!
Es ist genug.

Trendwende

Wir erleben eine Trendwende Mit Argumenten so dünn wie japanische Trennwände Ich kann nicht glauben Dass alle, die Gaffen, so dumme Sachen machen wie Malaysiche Affen Die nicht einfach nur brüllen Sondern aus Angst, die eigenen Bäuche würden nicht füllen sich plötzlich versammeln Wahnsinniges stammeln, mit Steinen und brennenden Flaschen Heime anzünden und lachen Wenn ein Stück ihrer eigenen Heimat brennt Nicht mal begreift, nicht mal erkennt Der eine, der aufs Feuer zurennt, dass er das ...

Der Brennnesselsommer (2/2)

Die Freundschaft zwischen Ben und mir war schon etwas eigenartig. Wir triezten uns gegenseitig, beleidigten uns, teilweise erniedrigten wir uns auch. Ben hatte ein Luftgewehr, einmal schoss er mir damit sogar in den Rücken. Auf große Distanz zwar und es hinterließ nicht mal einen blauen Fleck, aber trotzdem: welche Freunde tun so was? Für all solche Dinge revanchierte ich mich kurz später immer gebührend. Auf sein Luftgewehrangriff folgte ein Tag, an dem wir den Keller seines Vaters aufräumen ...

Der Brennnesselsommer (1/2)

Inspiriert von wahren Begebenheiten   Direkt hinter meinem Elternhaus begann die große unerforschte Weite. Und als Ben sie zum ersten Mal sah, war er nicht mehr zu halten gewesen. Bei seinem zweiten Besuch hatte er bereits seine Machete dabei und bei seinem dritten stand er vor der Haustür in kompletter Uniform. Er war ein militärbegeisterter Junge, der das Strahlen in die Augen kriegte, wenn irgendwo etwas auch nur entfernt nach Uniform aussah. So komplett in grünem Camouflage, mit ...

Marschgesang der Heimatlosen jener ersten Tage

O Jalu, rote Erde, rotes Firmament, Weißfederwege Die Heimat, sie verbrennt Staub schwebt vor den Augen Regungslos im Licht Regungslos die Schatten In deinem Angesicht. O Jalu, deine Stimme, Schweigendes, das bleibt, Ein Marsch aus tausend Leibern, der die Erinnerung vertreibt. An einem Tag wie diesem Nur sind die Kinder dann nicht stumm An einem Tag wie diesem Führt die Straße andersrum. O Jalu, Salz und Brot, Jeder Name, ein Gedicht, Durch das sonnenblutge Stadttor Zum nächsten Menschengericht. Entscheid ...

Astronautin

Du stehst jetzt hier vor mir und sagst Was hätten wir Planeten erobern können Was hätten wir zusammen nicht alles bewegt. Ich hänge an deinen Lippen, du hängst an mir. Du bist schön, wenn du die Lippen bewegst, schön, wenn deine Haare sanft fließen, schön, wenn du beim Sprechen den Grund deines Sprechens vergisst. Du bist ein anderer Mensch, stehst du am Fenster Den Blick auf das dunkle da Draußen gerichtet Wenn in dem Glas vor deinen Augen Sich das Sternenlicht von fremden Galaxien bricht. Du ...

Wenn ich einmal sterbe

Wenn ich einmal sterbe, dann wird es Wörter regnen wie rosa Blüten von Kirschbäumen. An Cézannes Grab soll auch die Farbe aus dem Himmel ausgelaufen sein und sich quer und kreuz über den Friedhofsweg verteilt haben. Und weil die Welt nicht Besser geworden ist, werden meine Worte sauer sein und in der Erde versickern und euch, Nachgeborenen, das Grundwasser trüben. Wenn ich einmal sterbe, dann werdet ihr euch den Augenblick zurückwünschen, da ich im Leben mal still war weil das jetzt nicht ...

Immerschrei

Schrei deinen Immerschrei
Der aus Blut und Schmerz
Dir von Kehle zum Herz
Die Eingeweide zerfetzt!

Leck deine Wunden An deinem Andertag
Mit deiner Zunge im eigenen Saft
Fehlt dir zur letzten Verteidigung
Kraft!

Die Zeit brennender Blutwurzeln!
Bring dich, wo der Fluss sich biegt
Und vermisch dich, unter denen
Die den letzten gottverdammten Seelenrest

Aus deiner Weltenbrust schlingen
Dich zu verbünden mit
Den hasserfüllten Gifthauchern
Die dich vernichten im ewigen Erinnerdichlicht.

Der weinende Junge (2/2)

Und damit, schloss sie den ersten Teil ihrer Erzählung, hatte alles dann begonnen: Es dauerte nicht lange, bis man mich, dümmer noch, das Bild für den Brand verantwortlich machte. Über die lokale Presse und dank eines schlecht recherchierten Artikels im Saarsteinboten von einer Reporterin namens Su Höpfner verbreitete sich das Gerücht, das einzige, was bei diesem Brand nicht zerstört worden sei, wäre das Gemälde des weinenden Jungen. Von da aus war es nur noch ein geringer Schritt zu der ...