Die Brosche (1)

    Genua, 21. Juni, 2017; 13:40 Uhr   1 Diese alte Hafenstadt mit ihren verdammt alten Häusern, die sich zwischen den rattenengen Gassen aneinander zwängten, roch in ihren besten Ecken nach Vergangenheit. Aber Federice Uboldos Laden war von dem Gesatank nach Urin, Kohl, Zwiebeln, Asche und Staub umgeben. Eine ungemütliche Luft. Und deshalb rauchte Uboldo Selbstgedrehtes. Du hältst den Gestank deines Viertels sonst ja nicht aus. Mit dem Rücken an die kalten, schwarzen Steine ...

Songbird

Songbird, Songbird Die Straßen sind weit Pfeif gegen den Wind Vergiss die Zeichen deiner Zeit Songbird, Songbird Unter dem Wolkenhighway Ein Bett unter verrosteten Kastanien Das Verlorensein fühlt sich frei Songbird, Songbird Ein einziges Mal in der Nacht Lege mein Lieben zwischen die Sterne Ein Traum ist schnell umgebracht Songbird, Songbird Nicht nur im dort Oben ist Freisein kalt Man sagt doch: Reise niemals durchs Schweigen Aber wenn du reist, suche dir niemals bei irgendwem Halt. Songbird, ...

Sturmzeit (8)

Hier fängt die ganze Story an: Klicke für Teil (1)   „Was ist das?“, fragte Quinn. Ihr Finger strich über diese klebrige, grüne Masse. „Sieh dir das an, Brudi.“, wiederholte Josy. Diesmal wischte sie vor ihnen ein wenig des Harzes weg und ehe Neues darüber fließen konnte, sah Quinn endlich, was sie gemeint hatte. „JQJ“, las sie vor. „wer hat das in den Baum geritzt? Sollen wir das sein? Jeanny, Quinn, Josy?“ „Ich war das.“, sagte Josy überraschenderweise. „Du ...

Sturmzeit (7)

Anfang verpasst? Kein Problem: Klick hier für Folge (1) Klick hier für Folge (2) Klick hier für Folge (3) Klick hier für Folge (4) Klick hier für Folge (5) Klick hier für Folge (6) Und lies hier, wie es mit Folge 7 weiter geht: Die Aussicht, von der Jeanny geschwärmt hatte, und die sie jetzt ineinandergehakt von der Aussichtsstelle genossen, war wirklich schön. Nur hatte Quinn keinen Sinn dafür. Drafi stand dicht hinter ihr. Es wäre falsch gewesen, wenn sie sich selbst eingestanden hätte, ...

Hitze (2 Miniaturen)

(1) Frau Göring stieg in den Kühlschrank. Tom sah es nicht ein, die Katze dabei aufzuhalten. Seit Miriam vergessen hatte, den Kühlschrank zu schließen, starrte Tom auf das Möbelstück, das seine Kälte in die Küche hinausdampfte. Die Hitze heute war wirklich unerträglich. Es drückte so stark auf den Brustkorb, dass man kaum atmen konnte. Der kleine Tischventilator wälzte träge die Luft hin und her. Kaum wirkungsvoll. Der Kater immerhin grunzte träge, fläzte sich zwischen den holländischen ...

Sturmzeit (3)

Teil (1) verpasst? Hier klicken. Zu Teil (2) geht es hier lang. Und hier ist Teil (3):   Der Alkohol wirkte am Tag danach. Die drei Frauen trugen Sonnenbrillen, obwohl es nicht zu hell war. Die Männer trugen Rucksäcke, obwohl kaum etwas drin war. Sie zogen gemeinsam in den Wald hinein. Wie zur Probe trugen Steven und Gerri bereits ihre Kostüme: Steven trug einen schwarzen Lederwurf quer wie eine Toga über der Brust. Gerri dagegen ein nur aus schwarzen, genieteten Lederriemen bestehendes ...

Sturmzeit (2)

Teil (1) verpasst? Hier klicken! Die Weinstube im Erdgeschoss der Pension war bei ihrer Ankunft mäßig besucht. Man sah kurz auf, als sie eintraten. Aber die zweiten Blicke blieben auf ihnen haften. Folgten ihnen. Drafi begrüßte den Wirt wie einen alten Bekannten. Gerri und Steven setzte sich mit Josy und Jeannette sofort an eine Eckbank. Über ihnen hingen zwei ausgestopfte Wildschweinköpfe. Quinn blieb noch unschlüssig zurück. Als sie sah, dass Jeannette zu ihr rüberblickte, bemerkte Quinn, ...

Sturmzeit (1)

  Üble Typen gibt es wie Sand am Meer. Und auf jeden kommt eine Frau, die eine Geschichte zu erzählen hat, weil er irgendwann mal versucht hat, ihr seine Geschichte auf die Haut zu schreiben. Mit blauer Tinte, so nannte zumindest Quinn es, wenn Drafi sie schlug: mit blauer Tinte schreiben. Im Spiegel waren die Flecke verdammt dunkel. Zumindest in dem kaltweißen Neonlicht der Autobahntoilette. Es gibt verschiedene Gründe, warum Männer ihre Frauen schlagen. Gerri, zum Beispiel schlug ...

Musik aus dem Wasserhahn (Essay)

  Man hat als Lehrer immer wieder die Herausforderung, dass man selbst älter wird, während die Klientel immer jünger wird. Man muss sich also darauf einstellen, dass es einen Generationenkonflikt gibt, dass irgendwann der Augenblick kommt, in dem man den anderen nur noch schwer versteht. Ein Beispiel? In meinem ersten Jahr als Lehrer las ich mit einer Klasse eine Geschichte über einen Jungen, der sich im Wald verirrte. Das war an sich keine schwere Erzählung, kein ungewöhnliches Wortmaterial. ...

Was Platon über Instagram und Knight Rider sagen würde (Essay)

Ein altes Sprichwort kennt noch den Ausdruck „Bilderbuchleben“ oder „ein Leben wie im Bilderbuch“. Wenn ich mich an alte Bilderbücher zurück erinnere, dann sehe ich pausbäckige Mädchen mit wehenden Röckchen, lausbübige Kinder, staubige Landstraßen. Und die meiste Zeit Sonnenschein, idyllisches Dorfleben mit Tieren, deren Vornamen man meist kennt und gebrochene Rehbeine, die der Förster mit einem Verband zu heilen versteht. Bilderbücher erzählen immer von einem kindlichen Utopia. ...