Familienausfluch

Manche Erinnerungen schmerzen Wie von schweren Wagen in den Straßenasphalt gepresst Unablässig Manche Wegeführungen sind vertraut Bis um diese eine Ecke Wohinter auf einmal alles nach irgendwie aussieht Wertlos Wie der Straßenmusiker An dem großen, weiten Platz Mit Instrumenten beladen Mit Jahr für Jahr kehliger werdender Kehlkopfkrebsstimme Dort ist heute das Pflaster neu verteert, Strahlend und hell im Katzendiamant Unter Regenlachen Und selbst sein Schatten ist Aufgelöst Manche ...

Das Unbequeme – Essay

Die unbequemsten Menschen sind die, welche zum Zweck zu schlecht und zu[m] Mittel zu dumm sind. (Sophie Mereau-Brentano)   Meiner Erfahrung nach ist die Unterscheidung zwischen Zweck und Mittel nicht mehr so leicht zu verstehen. Man muss es mit dem Sprichwort erklären, eine Sache geschehe als „Mittel zum Zweck“. Ein Zweck ist ein Ziel. Und wenn Kant sagt, man darf nie einen Menschen als Mittel verwenden, stets immer nur als Zweck, dann bedeutet das: Jedes Handeln soll auf das Ziel „Mensch“ ...

Schönstadt – Essay

Die Sitze in den Bussen und Straßenbahnen haben einen unfassbar hässlichen Bezug. Und das absichtlich. Man geht davon aus, dass die Menschen in öffentlichen Räumen randalieren. Also sieht der blaue Bezug so aus, als wäre mit Edding und mit Sprühfarbe ein kreuzundquer Muster überall aufgemalt worden. Kurzum: es sieht so aus, als wäre schon Schindluder mit der öffentlichen Einrichtung betrieben worden. Das ist eine verkappte Psychologie. Du sitzt umgeben von absoluter Hässlichkeit und sollst ...

Maschinen

Die Maschinen im Innern defekt Zu Reparieren mit silbernen Händen gelingt es. Die Arme nach links und nach rechts erhobene Hände die Handflächen zum Himmel gerichtet Um Punkt Vier bluten sie Rost gequälte Getriebe Seele, erhebe dich! Steh' auf von den Toten! Steh auf aus dem ewigen Trümmerschlaf versteck' dich im Lichte der ölschwarzen Nächte Industrieschornsteine wie Kirchtürme dampfende Zähne der Zeit aus dem Stadtbild gereckt Die Maschinen im Innern defekt und keine Bewegung für ...

Silberne Band (Blues)

Bitte glaub mir, ich weiß nicht, was geschieht Seit heute Morgen Spielt die silberne Band ihr Lied Unruhig geschlafen Mit dem Vollmond im Gesicht Es ist dieser Sommer Der uns einfach nicht vergisst. Die staubigen Straßen Singen vom Horizont und vom Meer Ihr treibend synkopischer Rhythmus, sagst du, sei alles andre als fair. Und siehst du einen Mann auf der Straße, Der mit den Fingern einfach so schnippt. Ja, siehst du diesen Mann auf der Straße, Der vor die eigenen Schritte nur blickt Siehst ...

Am anderen Ende der Straße

Am anderen Ende der Straße Steht ein namenloses Haus. Am anderen Ende der Straße Sehen die Hunde räudiger aus. Am anderen Ende der Straße Wird die Straße nie fertig gebaut Am anderen Ende der Straße Wird an Fleisch statt an Götter geglaubt. Am anderen Ende der Straße Laternen mit nikotingelbem Licht Am anderen Ende der Straße Nennt Jim seine Faust „das Letzte Gericht“. Am anderen Ende der Straße Wo seit Tagen eine Warnleuchte blinkt Am anderen Ende der Straße Sind Frauen wie Motten ...

Sound verändert die Welt

Kommt aus meinen Kopfhörern ein Lovesong raus, schon siehst du ganz anders aus. Ich seh dich da stehn Wie vom Leben geprügelt doch kaum klingt „Daniela Andrade“ bekommst du Flügel und, was niemand sonst sieht, deine Augen beginnen zu glühen du fängst an, ein geheimes Licht zu versprühen Bist ein Wesen von einem Irgendwo Drüben Auch wenn ich nicht weiß, aus welcher Ecke dieser Welt es dich hier hergetrieben hat ich will auch mal dorthin, hab das Profane hier satt ich will, dass du mich ...