Die Tage des Eisvogels

Stumm wie ein Abend, der über uns niedergleitet, So sanft und gefällig aus dünnstem Geflecht Leicht zu zerreißen mit flüsternder Stimm nur Ein letztes Mal urteilt die Welt gerecht, Wenn um den Körper sie legt die glänzende Gischt So gnädig umschmeichelt das Meer seinen Leib Leicht zu erinnern, schwer zu vergessen Die Winde flüstern im Traum das Wort „Bleib!“ Doch die Klippen stehn absprungbereit Doch die Klippen deuten scharfkantig auf Sturm Und die Lippen beben vor Angst vor der Zeit Hoch ...

Lebenslänglich (1/3)

Als Steven und Barek einander kennenlernten, lief gerade eine Ballade von Linkin Park. Und Barek fing an zu weinen, wie ein kleines Kind. Ihm liefen die Tränen nur so über. Er schluchzte und zitterte am ganzen Körper, dieses massige Fleischpaket. Aber er gab keinen Laut von sich. Und das machte die Sache so schrecklich. Steven hatte sehr selten einen erwachsenen Mann weinen sehen. Aber so weinte kein normaler Mensch. Und deswegen allein war er wohl auf diesen Mann zugetreten, dessen Haut so dunkel ...

Mit meinem Kind über den Tod reden …

Was ist der Tod? Ich erinnere mich noch daran, wie ich mir selbst zum ersten Mal diese Frage gestellt habe. Und wie ich mich auf die Suche gemacht habe, eine Antwort zu finden. Ich muss wohl so alt wie du gewesen sein. Nein warte, ein Jahr älter. Ich ging nämlich schon zur Schule. Und ich ging schon alleine auf dem Schulweg. Naja, alleine, ich meine mit anderen Freunden aber nicht mehr mit meinen Eltern. Es war auch kein besonders weiter Schulweg und es gab auch nur eine einzige gefährliche Stelle. ...

Der Krebsgang – niemand muss allein

Wie Motten durch die besten Kleider, es frisst sich durch zehntausend Leiber. Wie das Wasser, das den Sand abträgt, kaum ein Sandkorn, das den Sog erträgt. Und wir kommen, um dir beizustehen Hände halten, stumm das Unverständliche verstehen Wir kommen, um die Angst zu jagen Fenster öffnen, niemand muss allein die Schwere tragen. Du erzählst, dass du beginnst zu reden, jede Nacht, du redest um zu überleben, du sprichst es an mit seinem vollen Namen nicht um es zu verfluchen, nur um es zu warnen! Und ...

Schwarzerde

Schwarzerde wölbt sich Nur der aufrechte Mann wird bestehen Liegst unter Steinen, unter Tränen, unter den Wolken, unter uns, unter unseren Gedanken, unter den Wurzeln, unter Worten, unter Gebeten, unter dem Leben, liegst. Schwarzerde strömt in den Äther Der bußfertige Mann wird bestehen. Schweigst von der Stille, von der Andacht, von dem Gedenken, vom Leben das war, vom Wasauchimmerjetztist, schweigst wie ein Grab. Schwarzerde ist dein Reich, deine Kraft, deine Herrlichkeit. Die Randkinder ...

Einem geliebten Menschen

Man trägt sie
zu ihren Booten
und lässt sie abwärts treiben.
Die blassen Gesichter
zucken und lächeln
im Schein der Kerzen,
die flussabwärts
bereits entgegen der Strömung
ihnen zu Ehren treiben.
Weinende Kinder;
die Toten verlassen die Stadt.