Ich, Teufel und Gott

Wenn es einen Gott und einen Teufel gibt, Will ich mir beide Seiten anhören, doch So wie ich mich kenne, werd ich den beiden Am Ende nicht so wirklich vertrau’n. Ich bin zynisch genug, zu verstehen, was Mir die Stimme von oben erklärt. Wie alles zusammenhängt, alles sich fügt und das Alles ein gewaltiges Bild ergibt. Dass wir letztendlich nur Zufall sind, jeder Augenblick ein Würfelspiel, die Regeln: Zwei Sätze auf ’nem Fetzen Papier. Die letzte Antwort: eine Frage des Stils: Gehst du ...

Am anderen Ende der Straße

Am anderen Ende der Straße Steht ein namenloses Haus. Am anderen Ende der Straße Sehen die Hunde räudiger aus. Am anderen Ende der Straße Wird die Straße nie fertig gebaut Am anderen Ende der Straße Wird an Fleisch statt an Götter geglaubt. Am anderen Ende der Straße Laternen mit nikotingelbem Licht Am anderen Ende der Straße Nennt Jim seine Faust „das Letzte Gericht“. Am anderen Ende der Straße Wo seit Tagen eine Warnleuchte blinkt Am anderen Ende der Straße Sind Frauen wie Motten ...

Sommerstadtsymphonie

Von einem Tag zum andernVon einem guten Freund zu dirUnd mit diesem Soundtrack kommt manGarantiert nicht weit von hier.Alle Fenster sind geöffnetIn dieser heißen StadtUnd die Männer in UnterhemdenSchauen nach, was die Welt verbrochen hat.Da steht ein Radio am Fenster, das spielt meine MelodieDa tanzt man gerne auf den Bänken, eine spontane ChoreografieWie wär’s, wenn wir uns heut verleben, heute oder nie?Wie wär’s, wenn wir heut Abend reden: über die ...

Nike

Spielt mit dem Finger am Glasrand Lässt, indem sie den Kopf bewegt Lichtflecke im Whisky tanzen Und hält sich wacker am Thekenstand Und wenn die Jukebox spielt Singt Nike, es hat keinen Sinn Es kommt wie es will Im Spiegel den eigenen Kopf nicht seh’n das Nachtlicht verkürzt keinen Heimweg allenthalben spotten Sterne und Mond aber wer will schon am Ufer steh’n? Mit den Füßen schon zu tief im Meer Irgendwo draußen läuten die Bojen Andernorts spielt man Gitarre Und gar nicht so weit: ...

Vater McKenzie

In seiner sauberen Handschrift berühren alle äußeren Buchstaben die Ränder der Blätter und oben und unten: ein schwarzer Strich. Vom Fenster, das zum Rosenbusch zeigt, Ist ein einzelnes Quadrat blind Auf dem Fensterbrett stehen sie noch: Zwei Porzellanjungs, die angeln. Im verstaubten Buchregal Steht Kierkegaard mit zerfleddertem Einband Fest und streng an den Herrn der Fliegen gepresst Ein muffiger Dunst konserviert in den Seiten. Durch den windschiefen Eingang Blickt man auf den gigantischen ...

Sound verändert die Welt

Kommt aus meinen Kopfhörern ein Lovesong raus, schon siehst du ganz anders aus. Ich seh dich da stehn Wie vom Leben geprügelt doch kaum klingt „Daniela Andrade“ bekommst du Flügel und, was niemand sonst sieht, deine Augen beginnen zu glühen du fängst an, ein geheimes Licht zu versprühen Bist ein Wesen von einem Irgendwo Drüben Auch wenn ich nicht weiß, aus welcher Ecke dieser Welt es dich hier hergetrieben hat ich will auch mal dorthin, hab das Profane hier satt ich will, dass du mich ...

Nocturn (Triptychon)

I. 19:00 Uhr Einmal bleibe ich Mit meinem Blick fest auf dich gerichtet. Einmal geh ich nicht Wieder fort und lasse mich selbstvernichtet zurück. Einmal glaube ich Nicht an Gott, an uns. Und wenn die Zeit Noch tickt Wer weiß ...!? II. 23:10 Uhr Im Rausch Der Sinne dem Traum Ergeben! Im Rausch, Blut gezählt und vergeben, Das Ich im Exil Im Fluchtwagen Im Rausch Sinnenumwölbt Sirenenumzuckt Dein sichelförmiger Leib Biegt sich, es hebt Der Wind an den Pfeilern der Welt, die für immer in ...

Was sie Liebe nennen

Sie nennen's Liebe
Und es ist Schmerz.
Sie predigen Lüge,
Ein wahrer Scherz.

Sie treiben Pfeiler
Zwischen uns
Und rufen: Heiler
Wir kenn'n uns aus!

Erzählt mir nichts von
Moral und Leben,
Von Kraft und Mut!
Schweigt mir vom Reden!

Sie sind die Klingen
Dieser Welt
Über die du springst
Wenn du fällst!

Herr, lass es regnen!
Am besten Blut.
Herr, lass es regnen!
Es ist genug.

Trendwende

Wir erleben eine Trendwende Mit Argumenten so dünn wie japanische Trennwände Ich kann nicht glauben Dass alle, die Gaffen, so dumme Sachen machen wie Malaysiche Affen Die nicht einfach nur brüllen Sondern aus Angst, die eigenen Bäuche würden nicht füllen sich plötzlich versammeln Wahnsinniges stammeln, mit Steinen und brennenden Flaschen Heime anzünden und lachen Wenn ein Stück ihrer eigenen Heimat brennt Nicht mal begreift, nicht mal erkennt Der eine, der aufs Feuer zurennt, dass er das ...

Marschgesang der Heimatlosen jener ersten Tage

O Jalu, rote Erde, rotes Firmament, Weißfederwege Die Heimat, sie verbrennt Staub schwebt vor den Augen Regungslos im Licht Regungslos die Schatten In deinem Angesicht. O Jalu, deine Stimme, Schweigendes, das bleibt, Ein Marsch aus tausend Leibern, der die Erinnerung vertreibt. An einem Tag wie diesem Nur sind die Kinder dann nicht stumm An einem Tag wie diesem Führt die Straße andersrum. O Jalu, Salz und Brot, Jeder Name, ein Gedicht, Durch das sonnenblutge Stadttor Zum nächsten Menschengericht. Entscheid ...