Astronautin

Du stehst jetzt hier vor mir und sagst Was hätten wir Planeten erobern können Was hätten wir zusammen nicht alles bewegt. Ich hänge an deinen Lippen, du hängst an mir. Du bist schön, wenn du die Lippen bewegst, schön, wenn deine Haare sanft fließen, schön, wenn du beim Sprechen den Grund deines Sprechens vergisst. Du bist ein anderer Mensch, stehst du am Fenster Den Blick auf das dunkle da Draußen gerichtet Wenn in dem Glas vor deinen Augen Sich das Sternenlicht von fremden Galaxien bricht. Du ...

Wenn ich einmal sterbe

Wenn ich einmal sterbe, dann wird es Wörter regnen wie rosa Blüten von Kirschbäumen. An Cézannes Grab soll auch die Farbe aus dem Himmel ausgelaufen sein und sich quer und kreuz über den Friedhofsweg verteilt haben. Und weil die Welt nicht Besser geworden ist, werden meine Worte sauer sein und in der Erde versickern und euch, Nachgeborenen, das Grundwasser trüben. Wenn ich einmal sterbe, dann werdet ihr euch den Augenblick zurückwünschen, da ich im Leben mal still war weil das jetzt nicht ...

Immerschrei

Schrei deinen Immerschrei
Der aus Blut und Schmerz
Dir von Kehle zum Herz
Die Eingeweide zerfetzt!

Leck deine Wunden An deinem Andertag
Mit deiner Zunge im eigenen Saft
Fehlt dir zur letzten Verteidigung
Kraft!

Die Zeit brennender Blutwurzeln!
Bring dich, wo der Fluss sich biegt
Und vermisch dich, unter denen
Die den letzten gottverdammten Seelenrest

Aus deiner Weltenbrust schlingen
Dich zu verbünden mit
Den hasserfüllten Gifthauchern
Die dich vernichten im ewigen Erinnerdichlicht.

Ein Narrenturm

Ein Narrenturm
stürzt ein, es bleibt
das Fundament
als Zeuge der Vergangenheit.
Es ruhen in den Steinen
die Tränen aller Späße
von Narrenhand geführt.

Ein Narrenturm
bleibt stehen, er sieht
nun aus, als wär er stolz und frei
er ist der Zeuge einer Zukunft,
wird umschwärmt von Nebeln, die ihn
bergen. In seinen Steinen ruhen Bilder.

Er lässt sie frei, wenn er es will.

(2001)

nicht weit

Oh, wenn du dich Aus weiter Ferne Zu mir zurück An die Schulter schmiegst, und wenn in deinen Blicken noch ein kleines bisschen die Entfernung blieb, egal ob am Ende des Tages oder am Ende der Zeit ich flüster dir zu, vergiss nicht: wir sind noch immer vom Anfang nicht weit. Ja, wenn es Auch bei uns regnet Sogar in unsrer Wohnzimmerwelt Und wenn uns die größte Sinnflut begegnet, ein Hurricane aus der uns feindlichen Zeit ganz egal ob wir zittern vor Kälte oder erstarrt sind in Ewigkeit Ich ...

Mehr als nur Regen (Bettlerlied)

S’ist mehr als nur Regen, was heut' Nacht auf die Oper fällt S’ist mehr als Mondlicht, was uns's Bühnenbild erhellt S’ist mehr als die Sehnsucht Nach einer weitaus bess'ren Welt S’ist mehr als 'n Leben Was du in 'nen Händ'n hältst. Und s’ist mehr als 'n bissch'n Dreck Was z'sammengekratzt is' S’ist mehr als erbärmlicher Mut, Den man in Promille misst. S’ist mehr als ein Drehbuch Wenn du z'm Abschied winkst S’ist mehr als ein Liebeslied, Das du beim Fortgehen singst. (02.05.2014)   ...

Aleppo_Berlin

Sie sagt, jemand hat in ihrem Leben Die Stopptaste gedrückt. Der Hintergrund läuft weiter in ihr bewegt es sich kein Stück. Sie hängt in einem Bild fest In ihren Lungen hängt der Rauch Wenn sie atmet, muss sie husten und riecht die Toten auch. Aus ihrer Heimat flüchten Träume In ihren Kopf bei Nacht Verdrängen der Gegenwart die Räume Verhindern, dass sie je erwacht. Dann plötzlich hört sie Lieder Versteht davon kein Wort Hört nur die Stimmung in der Stimme Schließt die Augen und ist ...

Heiße Sommernacht

Wir sind im Süden von Deutschland in der Mitte der Welt. Auf verdammt engem Raum Wo’s am besten gefällt. Wir brennen unter der Sonne Zwischen Neckar und Rhein, Wir sind die brennenden Herzen sind der mächtigste Schein. Die Nächte lodern und glühn Die Welt wird heute vergehn Lass uns zum Untergang gehen! Wir haben tausend Gefühle Für den andern parat Wir sind im Süden von Deutschland tanzen auf jedem Grat! Wir sind der Sommer, die Hitze sind das Deutschland das schwitzt Brennen durch ...